| 26 Dezember 2019 |
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| DICHTUNG | William Shakespeare | |
| LESUNG | Matthias Hasse |
Die Übersetzungen bzw. Übertragungen der Sonette von Shakespeare sind so vielfältig.
Bisher favorisierte ich jene von Gottlob Regis, aber jene erlauschte Version belehrte mich wohl eines Besseren.Auch wenn der Vergleich vermutlich hingt, sind Shakespeares Sonette vielleicht der alltägliche Prüfstein/das Übungsfeld des Lyrikers, an dem der Geist sich erproben/ermuntern soll, wie auch der Ringer nur in der Arena seine Kräfte stählen kann zu höherem Vermögen.
Wie kann ich je denn wieder glücklich sein,
wenn Ruhe zu genießen mir verwehrt,
der Druck des Tags nicht nachts gelöst wird, nein,
die Nacht den Tag, der Tag die Nacht beschwert,
und beide, wenn auch Feinde sozusagen,
die Hand sich reichen, mich zu quälen, mir
der eine Mühsal schickt, die andre Klagen,
wie ich mich mühe, weit entfernt von dir?
Ich sag dem Tag zuliebe, du bist klar
und machst ihn hold, wenn Wolken ihn verdunkeln,
der schwarzen Nacht verspreche ich sogar,
du sprühest Gold, wenn Sterne nicht mehr funkeln.
| 1 August 2017 |
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Herrschaft der Willkür
Was soll der Götter laun’sches Narrenspiel,
das unentwegt mit heißem Lustgefühl
begehrt, dem siechend’ Erdensohn zu drängen?
***
Kühlt sich des Zeuses Brust, die ruhmerglühte,
mit Tränenflut menschlicher Trauergesängen?
Füllst du, Poseidon, denn die Weltenmeere, trübsalserpicht,
Menschenzähr’ um Menschenzähre?
Raubst, Helios, du das Lächeln deiner Siegesstrahlen
denn vom erlosch’nen Augenlicht gefall’ner Helden
in rauer Heeresschlacht, um fremdbeprunkt zu prahlen?
Trittst, Chloris, du Kunstbemühte,
nun hinzu, um reinlich dann der Rosen Gewand
im Pril verfloss’nen Streiterbluts zu tränken?
***
Oh soll doch an des Aulis‘ Strande Abendhimmel
sich Helios Götteraug’ ins schwarze Weltmeer senken
und Nyx mit finst’rem Blick allmählich nachten!
Dem Glückverschmähten tränbegoss’nes Trachten
scheuet nicht der eise Würgegriff,
des Ares‘ glatter Lanzenstich
lüstern in die matte Brust gerammt,
ja, löscht nichts, was eh’ schon ward verflammt.
***
Wähne dich glücklich, oh eitles Herrschergeschlecht, denn erhaben
thronest du! Siegesgewiß waltet dein Zepter der Macht,
teilst mit der Themis entheiligtem Schwert der Gemeinen
Länderbesitz und beglückst Fürstenverwalter damit,
zwingst des Freien geschändetes Haupt unters Joch des verhängten
Frones und nährest dich wohl von der Gepeinigten Müh’.
→ Eherne Welt
Fußnoten
| 1 November 2016 |
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In seiner Fülle ruhet der Herbsttag nun,
Geläutert ist die Traub und der Hain ist roth
Vom Obst, wenn schon der holden Blüthen
Manche der Erde zum Danke fielen.
Und rings im Felde, wo ich den Pfad hinaus
Den stillen wandle, ist den Zufriedenen
Ihr Gut gereift und viel der frohen
Mühe gewähret der Reichtum ihnen.
Vom Himmel bliket zu den Geschäfftigen
Durch ihre Bäume milde das Licht herab,
Die Freude theilend, denn es wuchs durch
Hände der Menschen allein die Frucht nicht.
Und leuchtest du, o Goldnes, auch mir, und wehst
Auch du mir wieder, Lüftchen, als seegnetest
Du eine Freude mir, wie einst, und
Irrst, wie um Glükliche, mir am Busen?
Einst war ichs, doch wie Rosen, vergänglich war
Das fromme Leben, ach! und es mahnen noch,
Die blühend mir geblieben sind, die
Holden Gestirne zu oft mich dessen.
Beglükt, wer, ruhig liebend ein frommes Weib,
Am eignen Heerd in rühmlicher Heimath lebt,
Es leuchtet über vestem Boden
Schöner dem sicheren Mann sein Himmel.
Denn, wie die Pflanze, wurzelt auf eignem Grund
Sie nicht, verglüht die Seele des Sterblichen,
Der mit dem Tageslichte nur, ein
Armer, auf heiliger Erde wandelt.
Zu mächtig ach! ihr himmlischen Höhen zieht
Ihr mich empor, bei Stürmen, am heitern Tag
Fühl ich verzehrend euch im Busen
Wechseln, ihr wandelnden Götterkräfte.
Doch heute laß mich stille den trauten Pfad
Zum Haine gehn, dem golden die Wipfel schmükt
Sein sterbend Laub, und kränzt auch mir die
Stirne, ihr holden Erinnerungen!
Und daß mir auch zu retten mein sterblich Herz,
Wie andern eine bleibende Stätte sei,
Und heimathlos die Seele mir nicht
Über das Leben hinweg sich sehne,
Sei du, Gesang, mein freundlich Asyl! sei du
Beglükender! mit sorgender Liebe mir
Gepflegt, der Garten, wo ich, wandelnd
Unter den Blüthen, den immerjungen,
In sichrer Einfalt wohne, wenn draußen mir
Mit ihren Wellen allen die mächtge Zeit
Die Wandelbare fern rauscht und die
Stillere Sonne mein Wirken fördert.
Ihr seegnet gütig über den Sterblichen
Ihr Himmelskräfte! jedem sein Eigentum,
O seegnet meines auch und daß zu
Frühe die Parze den Traum nicht ende.
| Textdichter | Friedrich Hölderlin | |
| Lesung | Christian Brückner |
| 12 März 2015 |
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| Dichter | Johann Wolfgang von Goethe |
| Vertonung | Franz Schubert |
| Sänger (Bariton) | Hermann Prey |
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? —
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? —
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. —
„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ —
Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? —
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. —
„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ —
Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? —
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. —
„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ —
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! —
Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.
| 28 Juli 2012 |
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(Zitat: Christian Rockrohr)
Bei nachwachsenden Rohstoffen bleibst du aber nur für den Moment Sieger 😉
Ähnliches gilt übrigens auch für alle anfallenden, kosmetisch korrigierenden Gartenarbeiten.
Ob man der Natur mit dem Rasenmäher, der Heckenschere oder Kleinhacke (kurzum: das komplette Waffenarsenal des Kleingärtners) den Krieg erklärt, es bleibt lediglich eine Frage der Zeit, bis die einst der Natur abgerungenen Gebiete wieder durch Grünwuchs zurück erobert werden.
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
Bertolt Brecht
Hinsichtlich der Natur erscheint indessen ein Kampf aussichtlos.
Die Natur gewinnt immer!
| 10 März 2012 |
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Rezitierte Gedichte
An meinen Vater (1:59)
Johann Christian Günther (1625 – 1723)
Sag wie lange soll ich noch, dich,
Mein Vater, selbst zu sprechen,
Mit vergeblichem Bemühen
Hoffnung, Glück und Kräfte schwächen?
Macht mein Schmerz dein Blut nicht rege,
O so rühre dich dies Blatt,
Das nunmehr die letzte Stärke
Kindlicher Empfindung hat.
Fünfmal hab ich schon versucht,
Nur dein Antlitz zu gewinnen,
Fünfmal hast du mich verschmäht,
O was sind denn dies für Sinnen!
Hab ich dich nicht überall
Treu gerühmt und froh gepriesen?
Hat sich ein verstockter Sinn
Gegen deine Zucht gewiesen?
Hab ich nicht mit Lust studieret,
Um dich Vater zu erfreun,
Und mit wohlgeratnen Früchten
Deines Kummers Trost zu sein?
Lass doch nun nicht durch die Neider
Dich in mir so arg verlachen,
Lass dir doch nicht deine Mühe
Durch ihr Maul zuschanden machen!
Trau doch deinem Fleisch und Blute,
Gönne mir Geduld und Ohr.
Wäre ich mit Recht verklaget,
Warum lässt du mich nicht vor?
Was ich dann und wann getan,
Ist die Hitze junger Jahre.
Denn wo wird wohl einer alt,
Der nicht Gleiches auch erfahre?
O warum bestraft man denn
Meine Menschlichkeit so scharf?
Welcher Richter ist so grausam,
Dass man gar nicht bitten darf?
Und was sind es denn nun auch
Für so grob und schwere Sünden,
Die so mühsam und so spät
Ablass und Errettung finden?
Sag, was sind Sie? Meistens Lügen,
Junge Torheit, viel Verdacht
Und mit einem Worte Mücken,
Die man zu Kamelen macht.
Scheint dir auch die Art und Weise
Meines Lebens wunderlich,
Ach, dem ist bald abgeholfen.
Und womit? Versöhne dich!
Strafe nehm ich willig an,
Nur bestrafe mich bescheiden
Ohne Aufsehn und gerecht.
Denn dies Volk kann ich nicht leiden,
Das uns fast auf all und jedes
Eine Sittenpredigt hält
Und alsdann am ärgsten denket,
Wenn es sich am frömmsten stellt.
Jene sind es, die da gleich
Donner, Blitz und Höll erwecken,
Die da ein verirrtes Schaf
Mit der gröbsten Keule schrecken,
Jene sind es, die sich selbst
Für gerecht und heilig halten,
Mit Verachtung auf uns sehn,
Die befleckten Hände falten.
Kommt es zu der Nächstenliebe,
Zum Vergessen, zum Verzeihn,
Ja, dann wird von solchen Christen
Niemand wohl zu Hause sein.
Strafe sollte uns doch nie
Nur als Zornlust oder Hass erscheinen
Und die Rute, die da schlägt,
Muss der Kinder Bestes meinen.
Wo hingegen Straf und Schärfe
Das Vergehen übersteigt,
Wird das edelste Gemüt
Mehr gebrochen als gebeugt.
Wilder Frevel ist es wert,
Dass ihn Draht und Geißel schwäche,
Und die Bosheit braucht Gewalt,
Dass man ihr den Starrkopf breche.
Aber Irrtum, Fall und Schwachheit,
Fällt ein Mensch auch noch so oft,
Fordert billig nichts als Liebe,
Die allzeit das Beste hofft.
Such ich mich auch noch so wohl
Unter Leuten aufzuführen,
Muss ich dennoch überall
Freund und Ansehen bald verlieren,
Wenn man hört, dass selbst der Vater,
Den ein guter Leumund schmückt,
Mich, sein Kind, nicht hören will.
Das ists, Vater, was mich drückt.
Dadurch fällt mein zeitlich Wohl
Und das Heil des ganzen Lebens.
Alles was ich denk und tu,
Wird durch deinen Zorn vergebens.
Sage mir, wer soll mir denn
Auf der Welt noch weiter traun?
Bin ich meiner Eltern Gräuel,
Muss auch Fremden vor mir graun.
Vater, blicke doch zurücke
Und erinnre dich der Zeit,
Da ich als ein Kind voll Hoffnung
Dein und vieler Aug erfreut.
Mein Gehorsam, wie du weißt,
Hat dir zwanzig Jahr gefallen;
Was ich dann und wann verbrach,
Das geschieht doch beinah allen.
Ach, ihr Väter, du im Himmel
Und auch du auf dieser Welt,
Seid mir gnädig, dass mein Leben
Noch ein wenig Kraft behält!
Jetzo bet ich Tag und Nacht
Bei so überhäufter Plage:
Nimm mich doch, mein Gott,
Nicht weg in der Hälfte meiner Tage!
Führe mich durchs Kreuz zur Weisheit,
Gib mir aber auch dabei,
Dass ich klug, getreu, geduldig
Und der Welt noch nützlich sei.
Vater, denkt denn deine Liebe
Gar an keine Wiederkehr?
Ach, ich bitte deinetwegen,
Mach uns nicht das Sterben schwer!
Lass den demutsvollen Kuss
Die Versöhnung wiederbringen;
Denn danach, ich weiß gewiss,
Wird mir alles wohl gelingen.
Ich verspreche dir die Freude,
Die der Eltern Kreuz versüßt,
Wenn das Wachstum guter Kinder
Ihres Nachruhms Spiegel ist.
Es war niemals meine Art,
Große Dinge zu begehren
Noch des lieben Gottes Ohr
Mit viel Wünschen zu beschweren.
Denn er weiß, was ich in meiner
Not, von dir, mein Vater, will:
Gibt er mir dein Herz bald wieder,
Schweig ich gern zu allem still.





































