Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

9 
 September 
 
2018

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DICHTUNG Volker Braun
LESUNG Christian Brückner
BEREITSTELLUNG LYRIK & MUSIK


 

Den Himmel verwildert der Sturm
Voll Wolken grau, das Feld
Ist dunkel am Tag, mein Sinn.

In der gebauten Natur
Geh ich allein, und den Wald schüttelt er
Wie meine Fäuste möchten, die steife Welt!

Einmal lebte ich so, freudig
Mit den Genossen. Gebraucht
Zu ändern Flüsse und Städte allmählich
Und die ich brauchte.

[…]

 
 
27 
 März 
 
2018


 
Polyhmnia
Die All-durchwogende Polymnia,
die vom Sphärengesang der Großen Natur
hin zum Kleinod in aller Kreatur
ihr Lied anstimmt.

 
Musik
Wolfgang Amadeus Mozart [1]Klavierkonzert Nr. 24, KV 491 – Quelle: www.archive.org


Des Weltgeistes Partitur [2]Polymnia ist die Muse der Hymnendichtung

Urheber allem!

Wolken zerstoben [3]zerteilend
stieg deiner Engelchoräle Donnergang
auf Marmorstufen hernieder,
durchwallte dumpf brandend
der Erde Grund stummere Fluren.

* * *

Doch spielest ein Sanfteres du uns auf,
so rührst an der Harfe frommer Natur du.

Und in des Morgenreifs Schmelz,
in der Verwunderung Schau, [4]in der Stille Geheimnis
perlt sich kristallener Ton.

→ zu Mnemosynes Geleit
Pygmalions Werkstatt

Fußnoten   [ + ]

 
 
21 
 März 
 
2018


 

DICHTUNG Johann Wolfgang von Goethe
LESUNG Fritz Stavenhagen



Edel sei der Mensch,
Hilfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.

Heil den unbekannten
Höhern Wesen,
Die wir ahnen!
Ihnen gleiche der Mensch!
Sein Beispiel lehr uns
Jene glauben.

Denn unfühlend
Ist die Natur:
Es leuchtet die Sonne
Über Bös und Gute,
Und dem Verbrecher
Glänzen wie dem Besten
Der Mond und die Sterne.

Wind und Ströme,
Donner und Hagel
Rauschen ihren Weg
Und ergreifen
Vorüber eilend
Einen um den andern.

Auch so das Glück
Tappt unter die Menge,
Faßt bald des Knaben
Lockige Unschuld,
Bald auch den kahlen
Schuldigen Scheitel.

Nach ewigen, ehrnen,
Großen Gesetzen
Müssen wir alle
Unsreres Daseins
Kreise vollenden.

Nur allein der Mensch
Vermag das Unmögliche:
Er unterscheidet,
Wählet und richtet;
Er kann dem Augenblick
Dauer verleihen.

Er allein darf
Den Guten lohnen,
Den Bösen strafen,
Heilen und retten,
Alles Irrende, Schweifende
Nützlich verbinden.

Und wir verehren
Die Unsterblichen,
Als wären sie Menschen,
Täten im großen,
Was der Beste im kleinen
Tut oder möchte.

Der edle Mensch
Sei hilfreich und gut!
Unermüdet schaff er
Das Nützliche, Rechte,
Sei uns ein Vorbild
Jener geahneten Wesen!