Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

24 
 Juli 
 
2011


 

Innerhalb des großen Feldes der Metrik (Verslehre) existiert der Begriff des alternierenden Verses.
Auf den Unterschied zwischen quantifizierenden und akzentuierender Metrik möchte ich hier nicht eingehen.
Um es in aller Knappheit zu erklären:
Im Deutschen gibt es betonte und unbetonte Silben, lange und kurze Silben.
Abgesehen von Vorsilben (Präfixe) oder dergleichen liegt die Betonung bei deutschen Wörtern immer auf der ersten Silbe.
Beispiel: Wie-se, Blu-me, Kin-der, Frau-en, Fecht-kunst.

Nebenei erwähnt -und zur Verdeutlichung- wird im Französischen meist endbetont,
Beispiel: par-don, mer-ci, bud-get, des-sert.

Fügt man mehrere Wörter zu einem Satz zusammen, so kann man bei richtiger Wortwahl einen Wechsel von betonten und unbetonten Silben, eine Hebung und Senkung der Satzmelodie erreichen, was den alternierenden Vers bezeichnet.

Beispiel: “Das Weib ist ein gebrechlich Wesen” (aus: “Maria Stuart” von Friedrich Schiller)

 

Jetzt gibt es aber auch Wörter, die je nach Sprachrhythmus in ihrer Betonung unterschiedlich betont ausgesprochen werden können.

Beispiel: “Weihnachtsgeld”
Ein deutsches Wort, daher Betonung am Anfang: “Weih-nachts-geld”.
Es handelt sich hierbei sogar um einen Daktylus: betont-unbetont-unbetont.

Das gleiche Wort kann allerdings auch anders betont werden,
zum Beispiel innerhalb der jambischen Zeile (unbetont-betont-unbetont-betont-…):
“Das Weihnachtsgeld macht alle glücklich!”

Die Betonung eines Wortes bezieht sich also nicht nur auf seine ureigene Betonung, sondern ist abhängig vom Kontext, vom “sprachrhythmischen Zusammenhang”.

Interessant fände ich daher, einmal das Eheversprechen genauer zu betrachten.
Welcher Silbenrhytmus liegt eigentlich vor auf die an den Bräutigam gerichteten Frage:
Willst du Anna nun zu deiner anvertrauten Frau heut’ nehmen,
so sprech’ laut vor aller Ohren: “Ja, ich will !” ?

Antwortet der Bräutigam jetzt aus Überzeugung -an den Sprachfluss angelehnt- mit “Ja, ich will !” (nicht mit einer Echolalie [1]die Wiederholung vorgesagter Phrase zu verwechseln!) ?
JA und WILL wären betont, somit betonungskonform und würden auf metrischer Ebene den gefassten Entschluss zur Ehe geradezu untermauern und die Absicht eines lebenslangen Bundes suggerieren.

Vielleicht ist die Redeformel aber auch daktylisch (betont-unbetont-unbetont): “Ja, ich will!”?
WILL‘ bliebe also unbetont und könnte alsbaldige Scheidungsabsichten signalisieren.

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Fußnoten[+]

 
 
8 
 Juni 
 
2007

abgelegt in
Schule & Studium

 

Die folgende Ausarbeitung entstand im Rahmen eines Seminars an der PH Heidelberg im Fache Sprachbehindertenpädagogik.

Das Seminar mit dem Titel “Psychologie des Spracherwerbs” fand unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Kany im Sommersemester 2008 statt.

Mit meinem Referat widmete ich mich dem Teilaspekt “Meilen- und Grenzsteine des Spracherwerbs”.
Die Darbietung erstreckte sich über zwei Seminarsitzungen.

 

 
Teil 1
Meilen- und Grenzsteine des Spracherwerbs
Prosodie, Phonetik, Phonolgie, Wortschatz, Semantik


 
Teil 2
Meilen- und Grenzsteine
Grammatik, Pragmatik, Metasprache



 
Die Ausarbeitung ist vielleicht weniger fachwissenschaftlich.
Mehr hoffte ich auf eine gute didaktische Umsetzung, obwohl mir das vermutlich nicht gelungen ist, da die Loci-Raummethode für die Seminarteilnehmer doch zu ungewohnt, evtl. auch zu anstrengend war.

Der Zugang zur Materie erfolgt nicht rein kognitiv, sondern ganzheitlich unter Einsatz aller Sinne.
Oberstes Prinzip ist die Ordnung, die im Anlegen von Gedächtnisräumen realisiert wird.

Weiter sind die thematischen Inhalte in mentale Repräsentationen (“Sinnbilder”) zu überführen, zu transferieren.

Diese Form eines Referats war meinerseits auch “experimentiell” gedacht, “jungfräulich” in der Erprobung und rein privat möchte ich an dieser Methode weiterarbeiten.

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