Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

14 
 März 
 
2017

abgelegt in
Gedankenschau

 

Ich rechne mittlerweile nicht mehr in Lebensjahren, denn alt wird man von alleine ohne Eigenleistung. Steine werden auch alt, steinalt [1]uralt sogar, doch was haben sie davon?
Lebensjahre kann man „absitzen“, mitunter auch ohne persönlichen Lustgewinn und qualitativer Lebensbereicherung.

Leben im eigentlichen Sinn hat indessen etwas mit „Reife“ zu tun.
Man reift nicht durch die Aneinanderreihung von Geburtstagen, sondern durch Er-Leb-nisse, durch die Verdichtung von Erfahrungs- und Schlüsselmomenten.

Schmerzhafte, freudige, erbauende und desillusionierende Schlüsselerlebnisse hatte ich im letzten Lebensjahr zuhauf: Eugen Drewermann, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, die Stoa und damit Entwurf einer unabhängigen Lebensweise, Schopenhauer, Nietzsche, Rilke und Lou Andreas-Salomé, die Sonette von Shakespeare und die Neuordnung meiner bisherigen Gedichte in einem hoffentlich stimmigen Gedichtezyklus (Mnemosynes Geleit).

Jetzt gilt es, das Erfahrene, das Erlebte in lebendige Dichtung, der wahren Heimstatt ungetrübter Liebesmacht, zu überführen.

Fußnoten   [ + ]

 
 
5 
 November 
 
2016


 
  • Wir haben keine zu geringe Zeitspanne, sondern wir vergeuden viel davon.
    Lang genug ist das Leben bemessen, auch für die allergrößten Unternehmungen, wenn es nur insgesamt gut angelegt würde.
    Doch sobald es in Verschwendung und Oberflächlichkeit zerrinnt, sobald es für keinen guten Zwecke verschwendet wird.
  •  

  • Wir haben kein kurzes Leben empfangen, sondern es kurz gemacht.
    Keinen Mangel an Lebenszeit haben wir, sondern gehen verschwenderisch damit um.
    Es ist wie mit reichen und königlichen Schätzen. Sobald sie an einen schlechten Herrn kommen, sind sie im Nu vergeudet, während ein auch noch so bescheidenes Vermögen, wenn es einem tüchtigen Verwalter anvertraut ist, durch Nutzung wächst.
    So bietet unsere Lebenszeit dem, der sie gut einteilt, genug Raum.
  •  

  • Doch wer bürgt dir dafür, dass du so lange lebst?
    Wer wird es gestatten, dass alles so verläuft, wie du es dir einteilst?
    Schämst du dich nicht, nur die kümmerlichen Reste deines Lebens für dich zu behalten und für sinnvolle geistige Beschäftigung nur die Zeit zu bestimmen, die für kein anderes Geschäft mehr taugt.
    Es ist doch reichlich spät, erst dann mit dem Leben beginnen, wenn man es schon bald beenden muss.
    Und wie unvernünftig ist es, seine Sterblichkeit so weit zu vergessen, dass man gute Vorsätze auf das fünfzigste und sechsigste Lebensjahr verschiebt und erst in einem Alter zu leben beginnen will, das nur wenige erreichen.
  •  

  • Was wird sein?
    Du bist beschäftigt … das Leben aber eilt dahin.
    Unterdessen steht der Tod vor der Tür, für den du – ob du willst oder nicht – Zeit haben musst.
  •  

  • Das größte Hindernis im Leben ist die Erwartung, die uns an das Morgen bindet und uns das Heute verlieren lässt.
  •  

  • Was in der Hand des Schicksals liegt, darüber willst du verfügen, was du selbst in der Hand hast, das lässt du los.
  •  

  • Wonach hältst du Ausschau, worauf richtest du deine Hoffnungen?
    Alles was noch kommt, liegt im Ungewissen, JETZT sollst du leben.
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  • Vergil:
    Was zauderst du? Was zögerst du?
    Wenn du die Zeit nicht packst, entflieht sie. Und selbst, wenn du sie gepackt hast, läuft sie dennoch davon.
    Also muss man gegen die Schnelligkeit der Zeit ankämpfen, indem man sie rasch nutzt.
  •  

  • Es gibt nicht das beste Alter, sondern den besten Tag.
  •  

  • Verzettele dich nicht in vielerei Beschäftigung!
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  • Lasse dich nicht fesseln vom äußeren Glanz an sich belangloser Ereignisse! [1]Talkshows und Hypes
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  • Das Leben des Weisen wird dadurch lang, dass er alle Zeiten in eine einzige zusammenfasst.
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  • Trenne dich also von der großen Masse [,mein lieber Paulinus] und ziehe dich endlich in einen ruhigeren Hafen zurück! Du bist ja für deine Jahre schon über Gebühr umgetrieben worden!
    Bedenke doch nur, wie vielen Fluten du schon ausgesetzt warst, wie viele Stürme du im Privatleben ausgehalten, wie viele du in der Öffentlichkeit schon auf dich gezogen hast. In mühevoller und rastloser Tätigkeit hast du schon genügend Beweise deiner Tüchtigkeit gegeben.
    Probier‘ jetzt, was sie in der Muse leistet!
    Den größeren Teil deines Lebens, gewiss den besseren, hast du dem Staat gewidmet, etwas von deiner Zeit nimm nun auch für dich.
  •  

  • Deine Geisteskraft [,lieber Paulinus], ist in höchstem Maß befähigt für hohe Aufgaben, rufe sie nun zurück von einem Amt, das zwar ehrenvoll ist, aber nicht ausreicht, um ein glückliches Leben zu führen.
  •  

Fußnoten   [ + ]

 
 
28 
 April 
 
2016

abgelegt in
Gedankenschau

 

Und immer daran denken:
(Wie im Basketball) Den Ball niedrig halten und im entscheidenden Moment VON der Mittellinie einen 3-Punkte-Wurf hinlegen 🙂
Die Erfahrung ist das, was uns zu Menschen macht, nicht die jungen Lebensjahre!

„Geist ist die Jugend des Alters“ (Emanuel Wertheimer)