Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

15 
 März 
 
2018


 

DICHTUNG Rainer Maria Rilke
LESUNG Jürgen Hentsch
BEREITSTELLUNG wortlover



Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister,
und bauen dich, du hohes Mittelschiff.
Und manchmal kommt ein ernster Hergereister,
geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister
und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.

Wir steigen in die wiegenden Gerüste,

in unsern Händen hängt der Hammer schwer,
bis eine Stunde uns die Stirnen küsste,
die strahlend und als ob sie Alles wüsste
von dir kommt, wie der Wind vom Meer.

Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern
und durch die Berge geht es Stoß um Stoß.
Erst wenn es dunkelt lassen wir dich los:
Und deine kommenden Konturen dämmern.

Gott, du bist groß.

 
 
8 
 August 
 
2017

Schlagwörter

0

 

Zum Felsen erstarrte Echo


Musik
Georg Friedrich Händel [1]Sarabande – Quelle: www.mp3pn.biz
[ Bemerkung zum Text ] [2] Ich distanziere mich explit zu Bezügen aus meinem privaten Umfeld, die rein zufällig wären und der Text darüberhinaus dem Jahre 2001(?) entstammt. Lediglich die Verortung im Gedichtezyklus „Mnemosynes Geleit“ war angedacht.

Des Worts dumpfer Widerhall
Geistiger Zufluchtsort
 
Ist’s nicht der Geist,
der beseelt,
der gedruckte Buchstabe aber,
der in erstarrten Konturen
leblos dem Auge sich stellet?

Findet Empfindung
im glüh’nden Geist des Phantasten
nicht mehr Beheimatung
als in der kühleren Felsengruft
nüchtern bedruckter Seiten?

* * *

Ist nicht der menschliche Geist in freieren Sphären,
der von irdischen Banden erlöste Gedanke,
von höher’m Gut,
indessen die Niederschrift
jenes musengewirkten Gotthauchs
zu niederem Adel entwürdigt,
in Lettern gepresst,
ins enge Korsett der Sprachgewalt?

Oh leid’ges Tintengekleckse,
das des entfesselten Geistes Allmacht
die Schwingen gestutzt hat!

Selbst pathetisches Dichtungswerk
gleicht kristall’ner Karaffe [3]Ausdruck aus: „Cyrano de Bergerac“,
die den süßen Gehalt
des heiligen Himmelsgefäßes
nicht zu fassen vermag.

Wie der Gießbach mit brausender Urkraft
sich vom Gebirgsfelsen stürzt,
dann springend ins Tale sich dränget,
um gemächlich
ebenen Stroms das Gefild zu durchwandern,

so ähnlich büßet
der einst dem Geistquell entbrauste Gedanke
nun an himmlischer Macht und Kraftes Fülle doch ein,
wenn ihn des Geistes Refugium
durch die ehernen Pforten wallend entlässt,
hinabströmet ins geschriebene Wort
und tälerne [4]irdische, zahmere Läufe erduldet [5]erleidet
in der Ordnung Begrenzung.

Da sich der mildherbe Wildwuchs
des Geistes Geblüm aber nimmer
vollsten Düfteumfangs in dem Wort offenbart,
so erzeigt er
sich auf des Geistes Fluren ungepflücket
doch weitaus edler, prächtiger,
als im gebundenen Wortstrauß
noch kostbarster Vase.
→ zu Mnemosynes Geleit
Die Elemente

Fußnoten[+]

 
 
17 
 Juli 
 
2017


 

DICHTUNG Else Lasker-Schüler
LESUNG Claudia Gahrke
BEREITSTELLUNG LYRIK & MUSIK


 

Es treiben mich brennende Lebensgewalten,
Gefühle, die ich nicht zügeln kann,
Und Gedanken, die sich zur Form gestalten,
Fallen mich wie Wölfe an!

Ich irre durch duftende Sonnentage…
Und die Nacht erschüttert von meinem Schrei.
Meine Lust stöhnt wie eine Marterklage
Und reisst sich von ihrer Fessel frei.

Und schwebt auf zitternden, schimmernden Schwingen
Dem sonn’gen Thal in den jungen Schoss,
Und läßt sich von jedem Mai’nhauch bezwingen
Und giebt der Natur sich willenlos.

 
 
13 
 Juni 
 
2017


 

DICHTUNG Theodor Fontane
LESUNG Florian Friedrich
BEREITSTELLUNG Florian Friedrich



An einem Sommermorgen
Da nimm den Wanderstab,
Es fallen deine Sorgen
Wie Nebel von dir ab.
Des Himmels heitere Bläue
Lacht dir ins Herz hinein,
Und schließt, wie Gottes Treue,
Mit seinem Dach dich ein.

Rings Blüten nur und Triebe
Und Halme von Segen schwer,
Dir ist, als zöge die Liebe
Des Weges nebenher.

So heimisch alles klinget
Als wir im Vaterhaus,
Und über die Lerchen schwinget
Die Seele sich hinaus.

 
 
4 
 Juni 
 
2017

abgelegt in
Buchen | Gedankenschau
Schlagwörter

0

 

Vieles spricht für den nächsten, noch ausstehenden Text „Der bronzene Turm“, in dem Zeus sich in einen goldenen Regen verwandelt.

Heutige Erlebnisse mit Gold:

  • Haller sehnt sich nach dem Wiederfinden „einer goldenen göttlichen Spur“ im „Steppenwolf“ (Hermann Hesse)
  • Goldene Schwingen von Amor (vgl. William Shakespeare im Sommernachtstraum)
  • Goldener Engel“ in Hollerbach als Emblem auf dem Teller der doppelten Portion goldgelber Pommes
 
 
6 
 März 
 
2017


 

Gedankenflaute

Harre, matter Geist,
der frohen Tage.

Des Gedanken eherner Flügel,
er schlägt zu seiner Zeit,
und schwinget dich zu hohen Fluges Ziel.
→ zu Mnemosynes Geleit
Hephaistos‘ Kunstschmiede