Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

10 
 Mai 
 
2018

abgelegt in
Chanson | Musik

 

Ich schaute heute in geraffter Form eine Dokumentation über Romy Schneider.

Eine starke Frau mit einer traurigen, wechselhaften Lebensgeschichte, nicht zuletzt auch der tragische Verlust ihres jungen Sohnes, die Flucht in Alkohol und in den Medikamentenmissbrauch.
Ständig war sie auf der Suche nach einem Heimathafen ihres Herzens, um anzulegen.

Irgendwie ist alles so traurig…


[ Bemerkung zum Text ] [1] Ich distanziere mich explit zu Bezügen aus meinem privaten Umfeld,
die rein zufällig wären.
Die Übersetzung entstammt lyrictranslate.


* * *

La chanson d’Hélène
Helenes Lied


Ce soir nous sommes septembre et j’ai fermé ma chambre.
Heute Abend haben wir September und ich habe mein Zimmer verschlossen.

Le soleil n’y entrera plus
Die Sonne wird nicht mehr hereinscheinen.

Tu ne m’aimes plus.
Du liebst mich nicht mehr.

Là-haut un oiseau passe comme une dédicace dans le ciel.
Da oben fliegt ein Vogel vorbei, wie eine Widmung am Himmel.

Parlé:
Je t’aimais tant Hélène.
Ich liebte Dich so sehr, Helene.

Il faut se quitter.
Man muss sich verlassen.

Les avions partiront sans nous.
Die Flugzeuge werden ohne uns abfliegen.

Je ne sais plus t’aimer Hélène.
Ich kann Dich nicht mehr lieben, Helene.

Avant dans la maison j’aimais quand nous vivions comme un dessin d’enfant.
Früher liebte ich es, wenn wir im Haus wie in einer Kinderzeichnung lebten.

Tu ne m’aimes plus
Du liebst mich nicht mehr.

Je regarde le soir tomber dans les miroirs.
Ich schaue zu, wie der Abend in den Spiegeln anbricht.

C’est la vie.
So ist das Leben.

Parlé:
C’est mieux ainsi Hélène.
Es ist besser so, Helene.

C’était l’amour sans amitié Il va falloir changer de mémoire.
Wir liebten uns ohne Freundschaft, man muss die Erinnerung ändern.

Je ne t’écrirai plus Hélène.
Ich werde Dir nicht mehr schreiben, Helene.

L’histoire n’est plus à suivre et j’ai fermé le livre.
Diese Geschichte hat keine Zukunft mehr und ich werde das Kapitel abschließen.

Le soleil n’y entrera plus.
Die Sonne wird nicht mehr hereinscheinen.

Tu ne m’aimes plus.
Du liebst mich nicht mehr.

Fußnoten   [ + ]

 
 
25 
 Februar 
 
2018


 

DICHTUNG Hugo von Hofmannsthal
LESUNG Will Quadflieg


 

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Er hat sich gewiegt,
Wo Weinen war,
Und hat sich geschmiegt
In zerrüttetes Haar.

Er schüttelte nieder
Akazienblüten
Und kühlte die Glieder,
Die atmend glühten.

Lippen im Lachen
Hat er berührt,
Die weichen und wachen
Fluren durchspürt.

Er glitt durch die Flöte
Als schluchzender Schrei,
An dämmernder Röte
Flog er vorbei.

Er flog mit Schweigen
Durch flüsternde Zimmer
Und löschte im Neigen
Der Ampel Schimmer.

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Durch die glatten
Kahlen Alleen
Treibt sein Wehn
Blasse Schatten.

Und den Duft,
Den er gebracht,
Von wo er gekommen
Seit gestern Nacht.

 
 
18 
 Mai 
 
2017


 

 

DICHTUNG Antoine de Saint-Exupéry
LESUNG Oskar Werner

 
Erbarme Dich meiner, o Herr, denn meine Einsamkeit lastet auf mir. Es gibt nichts, auf das ich wartete. Hier bin ich in dieser Kammer, in der nichts zu mir spricht. Und doch wünsche ich nicht die Gegenwart der Menschen herbei, denn ich weiß mich noch verlorener, wenn ich in der Menge untertauche. Aber sich jene andere, die mir gleicht und die sich in eben solch einer Kammer befindet und sich doch glücklich fühlt, wenn die Menschen, denen ihre Zärtlichkeit gehört, anderswo im Hause geschäftig sind. Sie hört sie nicht und sieht sie nicht. Sie empfängt nichts von ihnen im Augenblick. Aber um glücklich zu sein, genügt es ihr zu wissen, daß ihr Haus bewohnt ist.

Herr, auch ich erwarte nicht etwas, das ich sehen oder hören könnte. Deine Wunder sind nicht für die Sinne. Doch um mich zu heilen, genügt es, wenn Du meinen Geist erleuchtest, so daß ich mein Heim verstehe.

Wenn der Wanderer in seiner Wüste einem bewohnten Haus angehört, so freut er sich dessen, obwohl er weiß, dass es am anderen Ende der Welt liegt. Keine Entfernung hält ihn davon ab, sich von ihm nähren zu lassen, und wenn er stirbt, stirbt er in der Liebe … Ich erwarte also nicht einmal, Herr, dass mein Heim mir nahe sei.

Sieh den Spaziergänger, dem in der Menge ein Gesicht auffällt. Er verwandelt sich, selbst wenn das Gesicht nicht für ihn bestimmt ist. So geht es jenem Soldaten, der in die Königin verliebt ist: Er wird Soldat einer Königin. Ich erwarte also nicht einmal, Herr, dass jenes Heim mir verheißen sei.

Auf den weiten Meeren gibt es glühende Schicksale, die sich einer gar nicht vorhandenen Insel geweiht haben. Sie singen, während sie auf dem Schiff sind, die Hymne der Insel und fühlen sich glücklich dabei. Nicht die Insel ist es, die sie glücklich macht, sondern der Gesang. Ich erwarte also nicht einmal, Herr, dass jenes Heim überhaupt bestehe …

Die Einsamkeit, Herr, ist nur Frucht des Geistes, wenn er krank ist. Er bewohnt nur ein Vaterland, das der Sinn der Dinge ist. So ist es mit dem Tempel, wenn er Sinn der Steine ist. Nur für diesen Raum hat der Geist Flügel. Er freut sich nicht über die Dinge, sondern allein über das Gesicht, das man durch sie hindurch erkennt und das sie miteinander verknüpft.

Gib nur, dass ich zu erkennen lerne.

Dann, Herr, wird meine Einsamkeit überstanden sein…

[…]