Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

29 
 Mai 
 
2023

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Apollos Erlöser
– Der pythische Sieger –

Apoll,
der dir die blanke Waffe ward gewogen,
seit jeher schon mit leichtem Saitenspiel
der Herzen Gram bezwungen:

„Wirf’ die Leier hinweg
und greife zum nächtlichen Raum
kühler Schöne!“

Spanne mit seidenem Band
Selenes halbmonden Bogen
silbernen Klangs!

Sternengleis pfeilt der harmonische Ton,
der zielgewiss niederstreckt
der Allgegenwart dumpfer Gesinnung!

_____________________________________________________
Bildgenerierung: Midjourney
Musik: Beethovens Mondschein-Sonate (https://imslp.org/wiki/Piano_Sonata_No.14,_Op.27_No.2_(Beethoven,_Ludwig_van))

 
 
1 
 Juli 
 
2022

abgelegt in
Mythologie

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Pyramus_und_Thisbe

_______________________________________________________________

Pyramus und Thisbe
Lag es
an uns’rer Worte zart Gefieder,
die sanften Flügelschlags
und doch mit kühner Schwinge
auf heimatlichem Geisteswind
uns in die Freudentäler
trauteren Gespräches trugen?

Pyramus
Lag’s
an Apollons Gnadengabe,
der väterlich die Sonnenharfe mir entlieh,
um dann mit leichtem Fingerspiel
an deinen gold’nen Herzensaiten
ebenso zu rühren?

Thisbe
War Kalliope denn mir hold,
Die meine Lipp‘ mit Frohgesange salbte,
und wundersam
zu deinem Spiele sich gesellte?

Pyramus und Thisbe
Kein forschend‘ Aug‘
vermag der Seele Flügelschwung
im Reich der Harmonien
zu ergründen?

 
 
27 
 April 
 
2019


 

Die hoffnungsfrohe Mondgöttin

 
MUSIK
Claude Debussy [1]Clair de lune


Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

Rainer Maria Rilke [2]aus: „Das ist die Sehnsucht“

 
Silberklang

 
Was birgt
der Genien Geisterreich?

Was wirkt
der Parzen [3]Gemeint ist insbesondere die Schicksalsgöttin Klotho,
die den Lebensfaden spinnt.
Fingerstreich [4]Schicksalsstreich
am sausend Webgestühl
der Schicksalsgöttin Tyche?
Was bürgt
des Zwirnes wirrer Lebensfaden?

Was hält
Apollons [5]Gott der Dichtkunst und des Gesanges Saitenspiel,
die heit’ren und oft klagen Lieder, [6]die munt’ren und auf traur’gen Lieder
mir nun auf dumpfer Leier [7]auf missgestimmter Leier
wohl bereit?

* * *

In all dem brausend Weltgewühl,
wo finde tröstend ich mich ein?

An deiner treuen Seit‘,
Gefährtin Einsamkeit,
nun wieder?

* * *

Es rauscht
im stillern Hain [8][…], trostentlaubt
auf dunklen Herzenspfaden
der zagen Zweifel Nachtesschwinge. [9]der Zweifel zagen Nachtesschwinge

Es lauscht
vergeblich Hoffen,
für und für,
dem wehen Ruf aus trauter Ferne,
der hoffnungsfroh [10]windeseil an mich erginge… [11]die lebensmatte Brust durchpfeilt

* * *

Und über mir
Selenes mondnes Haupt,
wo stumm der silbern Sichelmund
im wolken Feierkleide weilt. [12]im wolken Feierkleid verweilt

Nur ihrer Augensterne Liedchoral,
tönt lächelnd mild
mir schimmertrunken [13]tönetrunken nieder,
und träuft [14]träumt in meines Anlitz‘ Nachtesweiher
aufs dämmerschweigende Gefild.

Vom gleisen Niedergange
lichter Quelle himmlisch Lauten,
schäumt meiner flauten Wange
die flüsternd Welle
und träumt im leisen Wogenklange, [15]Wogengange
enthoben [16]erlöset / zerstoben nun der nied’ren Qual nun von nied’rer Qual.

→ zu Mnemosynes Geleit
Pygmalions Werkstatt

Fußnoten[+]

 
 
22 
 März 
 
2018

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Mnemosynes Geleit

Streifzüge eines Gedankenvagabunden

 
Zwiespalt des göttlichen Wahnsinns
Friedrich Hölderlin
[1]Mündlichen Überlieferungen zufolge, dass Ernst Zimmer, bei dem der an Schizophrenie erkränkte Hölderlin in Pflege gegeben wurde, die Aufzeichnungen Hölderlins aus den Jahren des „Tübinger Turms“ in großen Mengen post mortem vernichtet haben soll. Etwa fünfzig Gedichte aus den späteren Jahren im Tübinger Turm sind überliefert. Sicher ist, dass dadurch von den zahlreichen Gedichten, die in der ersten Zeit im Tübinger Turm entstanden sind, die meisten verloren gingen. „[…] In … Continue reading

 
Aus den Aufzeichnungen
eines göttlich Wahnsinnigen


 


Vorwelt
 



⚘  Orpheus‘ Gesänge (Traum und Wirklichkeit)

Morpheus‘ Schoß
Elysions Friedensgrund

Eherne Welt
Demeters Dunkelpfade

☼  II. Apollons Günstlinge (Ideenwelt vs. Skulpturen)

Hephaistos‘ Kunstschmiede
Artefakte göttlicher Macht

Pygmalions Werkstatt
Die Modellierung des Unfassbaren

🍂  III. Ares‘ Siegeszüge (dynamisch vs. statisch)

Caissas Liebesgeschenke
Ares‘ Eroberungskünste

Skulpturen des Adamas
Naturen des menschlichen Geistes

❄  IV. Minervas Vermächtnis (Geist vs. Abbild)

Die Elemente
Das Alphabet des Geistes

Das Positionsspiel
Sprachen des Geistes

Fußnoten[+]

 
 
30 
 Juni 
 
1999

abgelegt in
Reimgedichte

 

Wenn wirrer Welt
gar freudvergällt
ich angstbesohlt entsprungen,
zermürbt der zarte Jugendgeist,
gedankenschwelgend er verwaist
und treuen Freundes Schritte er entlaufen

so lachet,
mit schwelen Flammenzungen
entfachet
loh des Spottes Scheiterhaufen.

Verdammt
zur aussätzigen Randfigur
mich doch mit kain’scher Stirngravur
und rammt
mit lautgellender Höllenqual
des Hohnes zugespitzen Pfahl
ins letzte Gliederzucken.

Ohn‘ Zögern will ich schlucken,
den dargereichten Schierlings-Kelch,
den randgefüllten, welch‘
ein schleichend Gifte beigesetzt,
dem Mechelmord geweiht.

Wes Grund werd‘ ich wie Freiwild denn gehetzt?
Weil weltenfremd ein himmlisch Sehnen innewohnt,
die Dichterliebe prangend mir im Herzen thront?

Ihr Pharisäer,
ihr Seelenschmäher,
so nehmt gewahr, ihr seid
wie wandelnde Leichen
mit erstarrten Mienen,
die trotz Erbleichen
noch dreist sich erkühnen
warmen Lebenshauch zu heucheln.

Und ohne Erbarmen meucheln
sie Apollon’s [sic] Geisteskinder…

 
 
1 
 Januar 
 
1995


 

evtl. Orthographie- und Interpunktionsfehler wurden belassen

Thor’s musikalischer Hammerschwung
im Widerstreit mit Apollo’s goldenen Harfenklängen

Ein Loblied auf die Vielfalt des Lebens,
die Wahrung der Identität trotz intellektueller Schwankungen
im Erdental tümmelnden Menschengevolks

Es spielen

Thor
in moderner Befrackung wie T-Shirt, Bermuda-Hose, Sonnenbrille,
wanderträchtiges Schuhwerk (hochgeschnürte orthopädische Schuhe),
Haare eingegeelt und grüngefärbt
steht symbolisch für
(behinderte) Menschen mit motorischen (spastischen) Einbußen,
allerdings Höchstmaß an Individualität

Apollo
gegenwärtig in Gestalt eines liebsäuselnden Windstoßes
steht symbolisch für
das menschliche (utopische) Idealbild,
Nichtduldung „unterentwickelten“ Daseins,
Klischeedenken vieler „Normal-Menschen“ (Uniformität)

Einst ersann Thor, sich des Menschen Schlagzeug zu bemächtigen und trat bei Apollo in die Akademie der musischen Künste.

Thor, im Unterrichtssaal auf den Meister harrend und von tatendrängender Ungeduld getrieben, ließ sich wirkenden Sinnes hinter einem Schlagzeug nieder und versucht nun eigenmanierlich, dem Instrumente Töne zu entlocken.

Apollo kommt windesheulend bestürzt herbeigeeilt.

Apollo
Seht, seht ! Ein Jugendsproß, der dem Zeitgeist frönt,
dem musisches Taktgefühl gänzlich entwöhnt,
betäubet mir mein Zartgehör, bedrängt
die laue Magengrube und verrengt
mit Trommelwirbel und Paukenlärm
das sich verkrampfende Gedärm …

Thor
Dies Stöckeschlagen ist der Puls der Zeit,
der rasend schlägt und hämmernd Euch befreit
vom Packeis treibender Traditionen …

Apollo
leicht in Rage
… und dafür pfleg‘ ich keine Ambitionen !!!

– Pause – danach ernüchtert Thor belächelnd

Nehmt Euch doch selbst in Augenschein :
Die Haarestracht, verkrustet zu Zementgestein,
und grüngefärbt, mich dünkt sie schimmlich!
Der schnöde Kleidertand,
dies kostümierte Flattergewand,
erscheint vom Preis mir unerschwinglich,
weil selbst der Schneider teuren Stoff einsparte,
sodaß im Arm- und Beinbereich,
bloßgelegt das nackte Fleisch,
sowohl das zärtlich glatte als auch das kräuselnde behaarte !

Welch Nutzen zollen diese dunklen Augengläser ???
Seid ihr am grauen Star erkrankt ?

Plagt Euch ein körperlich‘ Gebrechen,
denn weil der schwanke Gang sonst wankt,
der keineswegs von Standvermögen ist beseelt
schnürt ihr das Schuhwerk, wie Efeupflanzen hochgerankt,
das Eure schlaffen Sehnenbänder stählt ?

Ein Ausbund modischer Vernarrtheit,
ein Schmückstück jeglichen Maskenballs
gibt Zeugnis unredlichen Modezerfalls,
des Menschen Wahnsinns wohl geweiht ?

Thor
Ihr schimpfet meine grelle Garderobe,
blanke Tändelei der Zeit,
doch seid gewiß, daß ich mit vollem Lobe
mich rühme dieser Kläglichkeit.

Apollo findet keine argumentative Erwiderung und läßt sich an der Harfe nieder

Apollo
Der Worte sind genug geflossen,
so laßt uns unbefangen, unverdrossen,
zu tätigem Werke nunmehr schreiten,
Euren ungebändigten Geiste striegeln,
den wildentflammten zum Gleichmaß zügeln,
sogleich in luft’ge Höhen aufzugleiten,
wo güld’ne Klänge uns entgegensonnen,
himmlische Harfenlaute uns bewonnen,
und von seliger Lauterkeit betört
des Herzen’s Einheit wiederkehrt,
die Ihr mit lautem Getöse entzweie schluget !!!
Ihr, Banausen-Hirn, schleicht Euch unbefuget
ins musikalische Konstrukto,
obwohl des Genius Mächten Euch entfloh.
Ihr schlürft aus seichten, stinkenden Tümpeln,
muß eines Besseren Euch belehr’n,
den geistigen Unrat zu entrümpeln,
das Herzensstübchen auszukehren.
Senkt seinen Blick
Lauscht meinem zarten Windesspielen
und laßt den überhitzen Geist Euch kühlen,
der sonst in blinder Raserei verglüht,
denn nur wer ohne Unterlaß bemüht,
den dumpfen Hammerschlag schmetternder Stöckchen,
bleibeschwert,
verkehrt
in einen sanften Schwebeflug eiskristall’ner Flöckchen,
vermag durch bedächtiges Trommelstreicheln,
dem sinnenden Publikum genüßlich zu schmeicheln.
Ihr schürt verwegen
des Herzen’s Ofen voller Überschwang,
daß jede süße Speise überkocht.

Apollo’s Götterodem streicht belebend durch die aeolische Harfe

Apollo
Verspürt hingegen
der Seele leichten Wellengang,
der flehend an die Herzenspforte pocht,
Wie bunte, aufgestiegene Herbstwinddrachen
bricht helles, unbeschwertes Kinderlachen,
sich unaufhaltsam Bahn,
erkaltete Herzen sonnen sich warm,
es schmilzet jeglich Herzensgram,
süß verfallend diesem heiligen Wahn.

Thor mißachtet die belehrenden Worte und trommelt nach eigenem Gutdünken wild darauf los …

Apollo
Gemach, gemach,
als ob ein Bienenschwarm
Euch stach,
erlieget ihr der wilden Tobsucht,
mit voller, ungedämpfter Wucht,
dem Instrumente Klänge zu entlocken –
Und anstatt in Augenleuchten zu frohlocken,
muß mir der rauhe Atem stocken.
Laßt doch Eurer Stöcke Donnerbeben,
voller Anmut niederschweben.

Thor
Wenn mich der Muse Freudenschauer küßt,
so biet‘ ich auch die and’re Wange dar.
Doch wenn der Plagegeister Polterschar
mich bedränget, würgend brüst’t,
entfliehet der seligen Empfindung Überschwang.
Zerronnen ist der Seele hebender Lobgesang
und der Freude Jubelklang ermattet,
wenn Seelengrame schwängernd mich begattet.
Gewiß,
der mißratende Ton
klang holder schon.

Ihr seid lichtend rege in Euren Schädelwänden.
Ich leid‘ gichtend träge an schroffen Künstlerhänden.

Eure geistige Liebkosung
kündigt sich durch Flüsterung,
meidend jegliche Ertosung.
Meine aufgescheuchten Bässe
der Musen heiterer Exzesse
unholdsamen Kusses
gebieret des Musicuses
eintretende Blässe.

Ihr zupft der Musen goldene Saite,
das Harfenspiel auf himmlischer Weide
und schimpfet meine schlichten Künste
des Banausen närrischen Ausgedünste.

Sprecher
Doch wessen Gesanges rührende Kunst,
erntet des Hörer’s applaudierende Gunst ???

Der Rauscher schrillen ultimativen Trommelgeblänges ?
Der Flauscher stillen rezitativen Operngesänges ?

Totenbleich vegetieren ?
Farbenfroh brillieren ?

Rebellisch aufwühlsam ?
Höllisch einfühlsam ?

Dumpfes Bässe-Scheppern ?
leckeres Tönekleckern ?

Promptgebärender Regenprall ?
Ewigwährender Wasserfall ?

Ölige Sommerpfütze ?
Morgentau-Geklitze ?

Verhöhntes krönen ?
Verschöntes verpönen ?
Wem nun Schulterklopfen löhnen ?

Sind schon die abstrusen Klänge
Kind vom Musengeschwänge ???

Mehr ein mitleidbegossenes Sorgenkind
kunstbefrackter Ohrenschmauser
schwärmend reckend
für den melodiösen Säuselwind.

Ein abgelackter Ohrenbrauser
wärmend streckend
indes findend sich ersinnt
in den lautgebarenden Künsten wildem Gehege
des Donnerwaltens rauhem Stege
hagelschmetternden Gelautens
des Leben’s Fährte goldenem Wege.
Verschmähet die tiefragenden Gründe
der sanften ‚Streicher‘-Winde
still bewogten seligssprechenden Flautens.
Erfreut
sich jeglicher Dornensaat,
was reißend wunded,
wird ergötzlich befunded,
schwant seinem Herzen butterzart
und dünkt sich fest vertäut
im Hafen höchster Sinnesfreud‘.

So bricht sich selbst des Leben’s Woge Bahn :

Dem rauhen Geist sonnt Klingelglöckchen schlicht profan,
ihm wonnet mehr pompöses Glockengeläut.
Dem zarten Kind indes der seligen Musengötter,
entfliehet den Klängen lauttösendem Gewetter.

Es rühmet sich des Schöpfer’s Werke
in bunter, mannigfaltiger Gestalt
erlanget wahre Glanzesstärke
erst durch der Fülle wechselnder Gewalt.

Und so wie Flora tausendblütig farbenlichtern
die Waldbewohner brüderlich versühnt,
wird erst im trauten Bunde aller Stände,
der Wohlgewandeten und Schlichter’n,
durch Segensgruß lorbeerumwund’ner Hände
der Menschen Freunschaftsband begrünt.