Lyrik ~ Klinge
Versuch einer Dichtung          

21 
 Juni 
 
2017


 

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8 
 Juni 
 
2017

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Demeter [1]In den Jüngling Jason hatte sich Demeter auf einer Hochzeit verliebt und sich ihm in den Furchen eines dreimal gepflügten Ackers hingegeben
 
Musik
Frédéric Chopin [2]Prélude in B Minor Op. 28 No. 6

Des Landmanns Gnadengesuch

 

Jason
ergeben
Ehrfurcht entbietende Hoheit,
Euch beugt sich mein Knie,
was längst mein Wille getan!

Auch erwies sich Euch dienlich
der meinigen Hände tätiger Fleiß!

Doch was ich nun schulde, den Zehnten der Ernte,
Euch sei’s geklagt, entsagte mir des Himmels Huld…

Allzu diebisch
war des Herbstwinds
raue Frevelhand gewesen,
keine Feldfrucht waret mir beschieden,
füllte mir die Scheunen der Zufriedenheit!

     Vom Wehklang ergriffen verstummte die Gottheit.

Demter
mitleidvoll
Die ährenrschwere Ernte waret dir vergönnt?

     Und wie all Morgen neu
     die Nacht lässt ihre Schatten fallen
     im Taumel schwellen Dämmergolds,
     entblößt Demeter schweigend ihres
     Olivenhaines duften Blütenstand.

     Und prall ergoß sich seiner Augen Flut
     wie Morgenglanz auf kühlem Wiesengrunde.

Demter
erbetend
Zum Trost bestäube mir der Rispen lieblich Prangen,
mit Deiner Lippen Liebessang,
dass Schönem Schöneres entblühen möge!

     Und holder Vogelstimmen voll
     zog’s ihn an ihrer Brust Gezweige.

Demeter (be-)rauschend
Erglüht ist schon dein Sonnenhaupt!
Durchglänze nun auch meines Leibs Gefilde,
dein Segenslicht empfangend!

Jason
zögernd
Oh, wärst du Auenland mir doch geblieben,
wo der Betörung linder Winde sanfter dir die Halme wiegt
und nicht des Sturmwinds nun entfesselt
dein Landstrich heimsucht.

Demeter
erflehend
Dir blieb der Erntesegen aus!
Erprob‘ dich nun an meinem Grunde, der unbestellten Brache!
Mein Ackerland erzittert, es dehnt sich dir mein Feld,
und was der Himmel einst verwehrte,
empfange nun von mir.

     So neigt er sich zu heil’gem Boden
     und zieht mit mächt’gem Pflug und Stiereslenden
     die zarte Liebesfurche,
     senkt in die feuchte Schollenpracht
     sein reiches Saatgut tief.

→ zu Mnemosynes Geleit
Skulpturen des Adamas

Fußnoten   [ + ]

 
 
25 
 März 
 
2017


 

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.


Rose,
oh reiner
Widerspruch,
Lust,
Niemandes
Schlaf
zu sein
unter soviel
Lidern.

Grabsteininschrift von Rainer Maria Rilke



 

Dichter Rainer Maria Rilke
Rezitation Ulrich Mühe & Otto Sander
Bereitstellung Lyrik & Musik
Soundtrack D.Rappl & Jamie D.
Video psyformance fractal