| 24 August 2019 |
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Heute von der Performance-Gruppe Gintersdorfer / Klaßen im Rahmen des Kunstfestes Weimar 2019 mit Gesten und Publikumsbeteiligung vorgetragen. Mit dabei mein absoluter Liebling Hauke Neumann.
| DICHTUNG | Bertold Brecht | |
| MUSIK | Hanns Eisler | |
| MUSIK | Ernst Busch | |
| BEREITSTELLUNG | Palm Cooper |
Vorwärts, und nie vergessen,
worin unsre Stärke besteht!
Beim Hungern und beim Essen,
vorwärts, nicht vergessen
die Solidarität!
Auf, ihr Völker dieser Erde!
Einigt euch in diesem Sinn:
Daß sie jetzt die eure werde
und die große Nährerin.
Vorwärts, und nie vergessen,
worin unsre Stärke besteht!
Beim Hungern und beim Essen,
vorwärts, nicht vergessen
die Solidarität!
Schwarzer, Weißer, Brauner, Gelber!
Endet ihre Schlächterein!
Reden erst die Völker selber,
werden sie schnell einig sein.
Vorwärts, und nie vergessen,
worin unsre Stärke besteht!
Beim Hungern und beim Essen,
vorwärts, nicht vergessen
die Solidarität!
Wollen wir es schnell erreichen,
brauchen wir noch dich und dich.
Wer im Stich läßt seinesgleichen,
läßt ja nur sich selbst im Stich.
Vorwärts, und nie vergessen,
worin unsre Stärke besteht!
Beim Hungern und beim Essen,
vorwärts, nicht vergessen
die Solidarität!
Unsre Herrn, wer sie auch seien,
sehen unsre Zwietracht gern,
denn solang sie uns entzweien,
bleiben sie doch unsre Herrn.
Vorwärts, und nie vergessen,
worin unsre Stärke besteht!
Beim Hungern und beim Essen,
vorwärts, nicht vergessen
die Solidarität!
Proletarier aller Länder,
einigt euch, und ihr seid frei!
Eure großen Regimenter
brechen jede Tyrannei.
Vorwärts, und nie vergessen,
die Frage an jeden gestellt:
Willst du hungern oder essen?
Wessen Morgen ist der Morgen?
Wessen Welt ist die Welt?
| 15 Oktober 2018 |
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Denn Herr Rossi sucht das Glück…
sucht man es, so fehlt ein Stück,
ja es fehlt ein Stück vom Glück
Ja, Herr Rossi hat ’nen Wunsch,
Eis vom Nordpol, flambiert, mit Punsch, eine Schokoladenburg –
3 Stück Kuchen, 6 Kaffee, 20 Törtchen, dazu Tee –
Was noch, was noch, was noch?
Ja, Herr Rossi möcht noch mehr,
so ein Auto macht was her,
auch mal Sekt, statt immer Milch –
mal wie ’n Reicher sich benehmen, in der Spielbank Geld ausgeben –
Was noch, was noch, was noch?
Ja, Herr Rossi sucht das Glück,
er will nur vom Glück ein Stück –
Andere können alles haben,
können sich an Feinstem laben,
und von eben diesen Gaben,
möcht‘ Herr Rossi auch was haben!“
Sonne, Sonne, Himmel, Sonne –
Wasser, Wasser, Strand und Sonne –
Berge, Berge, Echo, Echo –
Blumen, Blumen, 20 Blumen –
Ja, das wär Herr Rossis Glück,
das wär mehr als nur ein Stück,
doch ihm fehlt ein Stück vom Glück.
| 6 August 2018 |
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| MUSIK | Falkenstein | |
| BEREITSTELLUNG | Test Elektroservice |
Die große Göttin
Sag, wer bist du, wunderbare
hohe heilige Götterfrau.
Die im Schmuck der goldnen Haare
wandelt durch den deutschen Gau?
Viele Namen hör ich nennen,
anders stets nach Ort und Frist.
Doch es ahnen, die dich kennen,
dass du stets die Selbe bist.
Magst du Flockenberge türmen,
Winterschutz der jungen Saat.
Mag in Herbst- und Frühlingsstürmen
durch die Lüfte gehn dein Pfad.
Oder ob der goldne Wagen
leicht dich trägt von Haus zu Haus.
Immer, wo dir Herzen schlagen,
streust du vollen Segen aus.
Bald als Berchta mit dem Rocken
gehst du um zur Winterzeit.
Und verwirrst die vollen Wocken
und belohnst die fleissige Meid.
Bald als Holda-Rockenmuhme
streifst du heimlich durchs Gefild.
Und es neigt sich Blatt und Blume,
und des Kornfelds Ãhre schwillt.
Wieder dann auf heiligen Hainen
fährst als Nerthus du durchs Land.
Und es kündet dein Erscheinen
Glück und Frieden jedem Stand.
Eisen schläft, die Waffen schweigen,
und gestorben ist das Weh.
Froh darfst du zum Bade steigen
im geheimnisvollen See.
Oft auch tief im Waldesschatten
hat man weinend dich erblickt.
Wie einst Freya ihrem Gatten
goldne Tränen nachgeschickt.
Bist du Freya, die den Frohen
Freude bringt trotz eigner Qual?
Bist du gar des höchsten Hohen,
bist du Wodans Lichtgemahl?
Lodert frommen Herdbrands Feuer
doch auch dir in heilger Glut.
Und wie jener ist dir teuer
junger Ehe köstlich Gut.
Oder muss ich tiefer dringen
bis zu Hel durch Gruft und Grab?
Steigst du, Leben zu erzwingen,
gar zur Totenwelt hinab?
Denn dort ruhen die Ungeborenen,
wartend, dass du sie befreist..
Wie du auch den Frühverlorenen
dort zurück die Pfade weist.
Und so knüpfen deine Hände
der Vollendung grossen Ring:
Tod und Leben, Anfang, Ende,
alles kommt auf deinen Wink.
Heilige Göttin, vielgestaltig
wandelst du auf deutschem Grund.
Und im Wirken mannigfaltig
wird uns deine Gottheit kund.
Wer du sein magst, Frigga, holde,
zählst du Hellias Reiche zu:
Mir, im Haar von lichtem Golde
bist Allmutter Erde du.
Sei gesegnet, Mutter Erde,
die uns alle rief zum Licht.
Die in Not uns und Beschwerde
Frucht und Blütenkränze flicht.
Sei gesegnet, Mutter Erde,
die uns wieder lind umfängt.
Bis das grosse Frühlings werde
einst des Helreichs Pforten sprengt.
| 31 Juli 2018 |
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Wettstreit zwischen
Marsyas mit Aulos
und
Apollon mit Kithara und Gesang begleitend
Marsyas, der als Begleiter der rasenden und Trommeln schlagenden Kybele durch Phrygien zog, fand die von Athene weggeworfene Doppelflöte, erlernte dessen Spiel und war schließlich so von seiner Kunst überzeugt, dass er Apollon zum Wettkampf forderte.
Die Musen, welchen das Schiedsamt zufiel, sahen zunächst Marsyas als den Überlegenen an.
Als jedoch Apollo seinem Kitharspiel noch den Gesang hinzufügte, konnte dieser als Sieger hervorgehen.
Quelle: Wikipedia
Epithalamion – Sapphos Brautlied
| ἴψοι δἡ τὁ μἐλαθρoν, ὑμἠναoν, ἁἐρρετε, τἐκτoνες ἄνδρες· ὑμἠναoν, γάμβρoς εἱς ἐρχεται ἶσoς Ἄρευι, ὑμἠναoν, ἄνδρoς μεγάλω πoλυ μἐσδων. ὑμἠναoν. |
Oh Himmelsgewölbe singe Hymnen, erhebt euch, Meister, singet Hymnen, der Bräutigam kommt wie Ares, [1] Gott des Krieges singet Hymnen, ein Mann, größer als ein großer Mann. Singet Hymnen. |
Apollons Triumphgelächter
Singulärer Klang
schwang sich entlang
geländerten
Balkens im Aug‘
eig’ner Betrachtung,
narzistisch verstiegen,
liebsäuselnd
um’s eigene Haupt.
SELBSTLAUT nur,
Vokalis immer schon ge-Wesen …
[2]Wiederholung ad libitum
| 𝄆 | G#-reif‘ zum Ak- -ko- -rd höherer Einheit! Walle, erschalle im rein gesellten Halle! |
𝄇 |
… oder
verstumme
nur
im Weltengerausche
als dumme
𝄐
[3]Fermate
[…]oder dem Solisten signalisiert,
diese Stelle nach seinem individuellen Bedürfnis zu verzieren[…]
selbstverliebte Partitur
wohl kastrierter Klänge!
→ Hephaistos‘ Kunstschmiede
Fußnoten
| 6 April 2018 |
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| SÄNGERIN | Sarah Lesch |
Testament
Auch du warst mal ein Kind
und auch ich war mal klein und auch uns haben sie was erzählt
und dann macht man das alles und versucht so zu sein,
und dann merkt man, dass einem was fehlt.
Und dann verlernt man sich richtig zu spür’n und man flüchtet sich in Kunst oder Konsum, und.
während jeder vielleicht sich Pläne macht, lachen die Götter sich krumm.
Lasst eure Kinder mal was dazu sagen,
hört Ihnen richtig zu.
Die spür’n sich noch, die haben Feeling für die Welt
die sind klüger als ich und du.
Und denkt dran, bevor ihr antwortet, ihr seid auch bloß verletzte Kinder
Am Ende gibts wieder ganz neue Symptome
und ihr wart die Erfinder.
Und dann sagt ihnen wieder wie es richtig geht:
“ Werd‘ Erwachsen!“ und „bist du naiv!“
Predigt Formeln, lasst alles in Hefte schreiben,
die Götter lachen sich schief
Achtet auf Schönschrift und Lerhpläne und, dass sie die Bleistifte spitzen.
zeigt ihnen Bilder von Eichenblättern
während sie drinnen an Tischen sitzen.
und dann ackern und büffeln und wieder auskotzen
und am Nachmittag RTL2,
Am Wochende geht’s was schönes kaufen, fertig ist der Einheitsbrei. Und.
jeder, der sich nicht anpasst, wird zum Problemkind erklärt, und.
jeder die zu lebhaft ist, kriegt ’ne Pille, damit sie nicht stört
Und damit betrügt ihr euch selber, denn
kein Kind ist ein Problem.
Und all‘ die Freigeister, all die Schulschwänzer, nur Symptomträger im System
Doch bedenkt, wenn ihr so hart urteilt,
ihr seid auch bloß gefangene Geister.
Der Unmut wird immer lauter und die Lehrer schreien sich heiser.
Empört durch das Hänsschen nicht ist, was er sein soll
sondern nur, wer er nunmal ist.
Die Götter pullern sich ein vor Lachen
und ihr denkt, dass ihr was wisst.
Und wenn Hänschen ein Hans, der eigene Kinder hat,
denen er was erzählt, dann merkt Hans und Kunz und ihr vielleicht auch,
dass wieder irgendwas fehlt.
Ihr habt Wünsche und Träume und rennt damit ständig
an imaginäre Wände, und.
Jeder Wunsch, den ihr euch erfüllt, der ist dann halt auch zu Ende.
geht ihr nochmal hoch, erfundene Zahlen
und wartet bis die Burn-outs kommen.
Schmeißt euer Geld für Plastik raus, um ein kleines Glück zu bekommen.
Das beste aus Cerealien und Milch, noch’n Carpboard und noch ein Kredit, und.
alle finden’s Scheiße, aber
alle machen sie mit!
Alle finden’s scheiße,
aber alle machen sie mit.
Ihr klugscheißert und kauft trotzdem und die Werbung verkauft euch für dumm
und dann sitzt ihr vor euern Flachbildfernsehern
und meckert auf den Kosum.
Wenn ihr das Welt nennt, bin ich gern‘ Weltfremd!
Die Götter lachen sich krumm.
Wenn ihr das Welt nennt, bin ich gern‘ Weltfremd!
Die Götter lachen sich krumm…
Ihr Traumverkäufer, Symptomdesigner,
merkt ihr noch was passiert?
Wer hat euch das Land und das Wasser geschenkt,
dass ihr jetzt privatisiert?
Ihr Heuchler, ihr Lügner, ihr Rattenfänger, ihr Wertpapierverkäufer
wer hat euch Geist und Gefühl gegeben
und doch seid ihr nur Mitläufer.
Ihr großen, vernarbten, hilflosen Riesen, ihr wart doch auch mal klein.
Und jemand hat euch mit schweigen gestraft
und ließ euch damit allein.
Und jetzt hört ihr icht nur die Götter nicht lachen,
ihr hört auch die Kinder nicht weinen.
und sagt Ihnen weiter, es würde nicht weh tun, ohne es so zu meinen
Macht ihr ruhig Pläne, ich steh am Rand, ich seh euch
und ich bin nicht allein.‘
Hinter mir stehen mehr und mehr Weltfremde,
die passen auch nicht hinein.
und jetzt wartet nicht auf ein versöhnliches Ende
den Gefallen tu ich euch nicht.
Kein Augenzwinkern, keine milde Pointe,
die das Unwohlsein wieder bricht.
Irgendwann werden die Götter nicht mehr lachen,
und falls es mich dann nicht mehr gibt,
hinterlass‘ ich ein Kind, dass sich selbst gehört
Und dies‘ unhandliche Lied.





























