Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

16 
 Oktober 
 
2017


 

Der pythische Sieger [1]Erklärung zum ‘Pythischen Sieger’

 
Musik
Ludwig van Beethoven [2]Mondscheinsonate
Sphärengesang

Apoll,
dem nie die blanke Waffe ward gewogen,
seit jeher schon mit leichtem Saitenspiel
der Herzen Gram bezwungen:

„Wirf’ die Leier hinweg
und greife zum nächtlichen Raum
kühler Schöne!“

Spanne mit seidenem Band
Selenes halbmonden Bogen
silbernen Klangs!

Sternengleis pfeilt der harmonische Ton,
der zielgewiss niederstreckt
der Allgegenwart dumpfer Gesinnung!
→ zu Mnemosynes Geleit
Hephaistos’ Kunstschmiede
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14 
 Juni 
 
2017


 

Labrys der Alkippe [1]Der Treue Spiegelbild

 
Musik
Robert Schumann [2]Kinderszenen Op. 15

Hippolytes Schlummersang [3]Hippolytes ist die Königin der Amazonen
… der sterbenden Alkippe

Noch wahrt [4]birgt / flammt das Antlitz geschmeidigen Sinn,
umsäumen der wallenden Locken samtiges Band,
der Wangen Linienschwung den feinen [5]zarten Schliff,
des schmucken Perlmutthalses schlanken Schaft.

Und mit der Lippe letzter Glut
prägt sie der Stirne Klingenblatt
mit reiner Flamme Zartgravur.
→ zu Mnemosynes Geleit
Hephaistos’ Kunstschmiede
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Fußnoten[+]

 
 
7 
 März 
 
2017


 

Des Glückes Sold
Tribut für die unbeschwerten Kindestage

Dumpf steigt aus kühler Herzensgruft
der bersten Glocke Leidgesang,
der luftgewogen durch die kalte Geistesnacht
gespenstisch raunt und Tränenzoll erheischt.
Gewiss, Tränenzoll,
als Preisgeld heitrer Erdenstunden.

Oh Hades,
Du schmuckerpichter Schattenfürst,
dem’s selbst an prächtigem Gewand ermangelt!

Wie lang, wie lang gedenkst Du noch,
dass mit der Seele heiligen Tränenflut
ich Dir die unbeschwerten Kindestage löhne,
mit salziger Perlenzier
die Halseskette mühesam Dir fädle,
dass sie mit prunkem Tränenschimmer
Dich lieblicher erstrahlen möge?

Zier’ mit dieser Ruhmeskette
doch Deiner Gattin marmorweißen Hals,
dass ehrend sie zum holden Dank
mit ihrem duft’gen Wiesenzauber
den welken Garten Deiner fernen Jugend
wieder grünen lässt
und sende mir indes
Zephyros’ milden Wonnehauch!

Lass Deine grauen Wolkenschleier fallen,
mich Helios’ gold’nes Antlitz schaun,
den frostigen Gedankenschauer,
der mir in bangem Busen wintert
in seinem Gnadenlichte schmelzen,
beströmend seiner lichten Segensgabe
die eisen Herzensquellen tauend brechen!

→ zu Mnemosynes Geleit
Hephaistos’ Kunstschmiede
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