Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

30 
 August 
 
2018


 


Säule 46

Des Herzens Feuerschale
Werke sind besser als Worte



Aus den Briefen Epiktets [1]fiktiv
an Lucius Flavius Arrianus [2]Zusammenfassung aus: „Handbüchlein der Moral“
Verlage: Ad Fontes, Reclam, Anaconda
Willst Philosoph du gar sein, so rühme dich nicht deiner Weisheit
schallend im Lobesgesang… SCHWEIGEN sei oberst Gebot!

Gleichwie im Müßiggange der Faule zur fleißigen Ameis‘ sich
neigt und lernet von ihr, sei auch das Schaf dir Lektion!

Wie die geweideten Schafe gesättigt sogleich auch nicht ausspei’n
kostbare Nahrung und stolz herzeigen edelstes Gras,
sondern – verdauet – dessen Produkt sich rühmlicher preist in
wollenem Fell, süßer Milch. Sei dir dies Gleichnis Gewinn!

Schließ‘ deine Worte, der Weisheit Juwelen, in des Herzens Schatulle,
streu‘ in der Unordnung Wurf sie vor die Menge nicht hin!
Lass‘ der Gedanken Rubine erglühen durch der Erkenntnis
letzten Schliff, Prunkstein an Prunkstein zur Kette gereiht.

Prunker jedoch zeigt sich edlere Rede in schimmernder Tat!
Verstumme im Wort und verleih‘ Stimme allein nur dem Werk!
→ zu Mnemosynes Geleit
→ Zenons Wandelhalle
Die stoischen Siegessäulen

Fußnoten   [ + ]

 
 
12 
 April 
 
2018


 

DICHTUNG Friedrich Schiller
LESUNG Jürgen Goslar
BEREITSTELLUNG wortlover



Drei Worte nenn ich euch, inhaltschwer,
Sie gehen von Munde zu Munde,
Doch stammen sie nicht von außen her,
Das Herz nur gibt davon Kunde,
Dem Menschen ist aller Wert geraubt,
Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt.

Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,
Und würd er in Ketten geboren,
Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei,
Nicht den Mißbrauch rasender Toren,
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,
Vor dem freien Menschen erzittert nicht.

Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall,
Der Mensch kann sie üben im Leben,
Und sollt er auch straucheln überall,
Er kann nach der göttlichen streben,
Und was kein Verstand der Verständigen sieht,
Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt.

Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt,
Wie auch der menschliche wanke,
Hoch über der Zeit und dem Raume webt
Lebendig der höchste Gedanke,
Und ob alles in ewigem Wechsel kreist,
Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.

Die drei Worte bewahret euch, inhaltschwer,
Sie pflanzet von Munde zu Munde,
Und stammen sie gleich nicht von außen her,
Euer Innres gibt davon Kunde,
Dem Menschen ist nimmer sein Wert geraubt,
So lang er noch an die drei Worte glaubt.

 
 
25 
 März 
 
2018

abgelegt in
Gedankenschau

 

Noch schöner finde ich indessen den Wohlklang eines trauten, authentischen Gespräches, in der stilleren Natur eines Wortkonzerts, aber auch andächtig schillernden Gedankenfeuerwerks.

Sei es, dass im Gespräche ein Lebenslied in „MOLL“ angestimmt und in anteilnehmenden Trauertönen mitgesungen wird oder in einer freudigeren DUR-Tonart den Jubelruf in den Hymnengesang seines Gegenübers eingemischt wird.
Stets wird der allwaltende Leierklang der eigenen Endlichkeit in einem Übertönen zarterer Töne für einen Moment überlagert.

Keineswegs bin ich ein Freund von Pseudo-Gesprächen, den sogenannten „Schattengesprächen“, in denen Belanglosigkeiten in einem durchaus verzichtbaren Schallereignis zu bedeutungsschweren Postulaten zelebriert werden.
Oder man trifft sich einfach so, um zu reden um des Redens Willen.
Am besten zu einer Tageszeit, bei der durch den Stand der Sonne der Schattenwurf am größten ist und sich somit über den eigenen Schlagschatten vortrefflich streiten lässt, was denn der Sonne (mit ihrem Neigungswinkel) überhaupt einFIELE, farblose Konturen seiner selbst abzuzeichnen.