Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

9 
 März 
 
2026


 

Der Jambus folgt in einem zweisilbigen Wort dem Schema: unbetonte Silbe (Senkung), betonte Silbe (Hebung).

Der Lebenstiefen dunkeln Straßen,
ein böser Traum! Geduld, mein Herz, …
Gewahr der Engel Glanzgewimmel,
des Glaubens heimlich Wunderdinge:
Verstandesfern verneinend das Gesetze!

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#faustausstellung
#woerter-werkstatt
#Jambus
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#Gedichtanalyse
#Lyrik
#Verslehre
#Poetik

 
 
23 
 Februar 
 
2026

abgelegt in
Tage in Weimar

 

Eine fiktive Schachpartie-Analyse von Friedrich Schiller und Johann Heinrich Voß.

Heinrich Voß, der Sohn des Dichters Johann Heinrich Voß, berichtete am 24. Februar 1805 – wenige Monate vor Schillers Tod – in einem Brief:
„Heute Nachmittag war Schiller unbeschreiblich wohl und kräftig, wiewohl es ihm noch mit dem Arbeiten nicht recht hat gehn wollen. Wir spielen jeden Tag Schach zusammen, und das macht ihm Freude; er meinte, auf diese Weise käme er wohl zuerst wieder in seine gewöhnliche Thätigkeit hinein.“

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Siehe, Bauer c6, wie das Glück deiner Adelung hold dir
winkt und lohnt die erduldete Schmach im Gefechte der Schlacht.
Walle, Vasall, und vollende den Lauf durch der Dame schützende Hand!

Schaudernd fristet indes auf h1 verwaist der schwarze Regent und
harret dem nahenden Matt, das ihn in Bälde ereilt.
Dame Schwarz, der Gefahr gegenwärtig, bietet dem König
flugs ein drohendes Schach, den Aufschub des Gatten Tod damit erhoffend.

Jene Majestät im weißen Gewande lächelt gelassen der
feindschen Gesinnung entgegen, wähnt sich vermeintlich im Schutz
durch des Bauern Geleit, der durch Aufmarsch ein weiteres Unheil abwendet.

Müßiger Kriegsherr des weißen Lagers,
hättest selbst den Fuß du gesetzt
auf friedliches Feld b4,
wo keine Gefahr länger dir bräute.

Denn Schock, schwere Not,
es dränget die schwarze Königsgemahlin
dem weißen König und seiner Gattin erneut,
mit tollkühner Gabel opfert selbstlos
die schwarze Dame sich nun.

Oh, welch köstlich Märtyrium!
Die weiße Dame muss nehmen,
dem Gebote des Schaches zu wehren
und wird durch die schwarze Macht
auf g3 verheerend gelenkt,
wo sie die rettende Flucht des Schwarzen daselbst
vereitelt und somit Remis nun erwirkt.

#weimar #schillerhaus #schiller #voß #schach #hexameter

 
 
27 
 Januar 
 
2026


 

Winterreise
– Der Wegweiser –

Was vermeid‘ ich denn die Wege,
Wo die ander’n Wand’rer geh’n,
Suche mir versteckte Stege,
Durch verschneite Felsenhöh’n ?

Habe ja doch nichts begangen,
Daß ich Menschen sollte scheu’n, –
Welch ein törichtes Verlangen
Treibt mich in die Wüstenei’n ?

Weiser stehen auf den Straßen,
Weisen auf die Städte zu.
Und ich wandre sonder Maßen
Ohne Ruh‘ und suche Ruh‘.

Einen Weiser seh‘ ich stehen
Unverrückt vor meinem Blick;
Eine Straße muß ich gehen,
Die noch keiner ging zurück.

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Autor: Wilhelm Müller
Komponist: Franz Schubert
Tenor: Peter Anders
Klavier: Michael Raucheisen
Aufnahme von 1945

Download:
https://archive.org/details/PeterAndersWinterreiseD911Schubert1945_201802

 
 
13 
 Januar 
 
2026


 



Vorschaubild: Schubert-Vertonung: Der Lindenbaum

▶️ Zum Youtube-Video

#Winterreise #Schubert #derLindenbaum #WilhelmMüller #Kunstlied #KlassischeMusik #Liedkunst #Lyrik #FranzSchubert #GedichtVertonung

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Der Lindenbaum

Am Brunnen vor dem Thore
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt’ in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud und Leide
Zu ihm mich immer fort.

Ich mußt’ auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab’ ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst Du Deine Ruh’!

Die kalten Winde bliesen
Mir grad’ in’s Angesicht;
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör’ ich’s rauschen:
Du fändest Ruhe dort!

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Foto (Hintergrund): Park an der Ilm

Autor: Wilhelm Müller
Komponist: Franz Schubert (Winterreise, D. 911: No. 5)
Bariton: Wolfgang Holzmair
Klavier: Imogen Cooper
Download: https://archive.org/details/lindenb-holzmair
Aufnahme: Großer Saal im Mozarteum, Salzburg, November 1994

 
 
11 
 Januar 
 
2026


 

#Winterreise #Schubert #WilhelmMüller #Kunstlied #DieKrähe #KlassischeMusik #Liedkunst #Lyrik #FranzSchubert #GedichtVertonung

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Gute Nacht

1.
Fremd bin ich eingezogen,
Fremd zieh’ ich wieder aus.
Der Mai war mir gewogen
Mit manchem Blumenstrauß.
Das Mädchen sprach von Liebe,
Die Mutter gar von Eh’ –
Nun ist die Welt so trübe,
Der Weg gehüllt in Schnee.

2.
Ich kann zu meiner Reisen
Nicht wählen mit der Zeit:
Muß selbst den Weg mir weisen
In dieser Dunkelheit.
Es zieht ein Mondenschatten
Als mein Gefährte mit,
Und auf den weißen Matten
Such’ ich des Wildes Tritt.

3.
Was soll ich länger weilen,
Dass man mich trieb’ hinaus?
Laß irre Hunde heulen
Vor ihres Herren Haus!
Die Liebe liebt das Wandern,
Gott hat sie so gemacht –
Von einem zu dem andern –
Fein Liebchen, gute Nacht.

4.
Will dich im Traum nicht stören,
Wär’ schad’ um deine Ruh’,
Sollst meinen Tritt nicht hören –
Sacht, sacht die Türe zu!
Schreib’ im Vorübergehen
An’s Tor dir gute Nacht,
Damit du mögest sehen,
An dich hab’ ich gedacht.

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Download:
https://archive.org/details/gute-nacht-holzmair

Autor: Wilhelm Müller
Komponist: Franz Schubert
Bariton: Wolfgang Holzmair
Klavier: Imogen Cooper

Aufnahme: Großer Saal im Mozarteum, Salzburg, November 1994

 
 
27 
 Januar 
 
2024

abgelegt in
Tage in Weimar

 

Die Partie zeigt eine sich jäh tagende Pattrettung.

FEN-Code: 7q/8/8/2PQ4/8/1KP5/8/7k w – – 0 1
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Siehe, Bauer c6, wie das Glück Deiner Adelung hold Dir
winkt und lohnt die erduldete Schmach im Gefechte der Schlacht.
Walle Vasall und vollende den Lauf durch der Dame schützende Hand!

Schaudernd fristet indes auf h1 verwaist der schwarze Regent und
harret dem nahenden Matt, das ihn in Bälde ereilt.
Dame Schwarz, der Gefahr gegenwärtig,
bietet dem König flugs ein drohendes Schach,
den Aufschub des Gatten Tod damit erhoffend.

Jene Majestät im weißen Gewand
lächelt gelassen der feindschen Gesinnung entgegen,
wähnt sich vermeintlich im Schutz durch des Bauern Geleit,
der durch Aufmarsch ein weiteres Unheil abwendet.

Müßiger Kriegsherr des weißen Lagers,
hättest selbst den Fuß du gesetzt
auf friedliches Feld b4,
wo keine Gefahr länger Dir bräute.

Denn Schock, schwere Not,
es dränget die schwarze Königsgemahlin
dem weißen König und seiner Gattin erneut,
mit tollkühner Gabel opfert selbstlos
die schwarze Dame sich nun.

Oh, welch köstlich Märtyrium!
Die weiße Dame muss nehmen,
dem Gebote des Schaches zu wehren
und wird durch die schwarze Macht
auf g3 verheerend gelenkt,
wo sie die rettende Flucht des Schwarzen daselbst
vereitelt und somit Remis nun erwirkt.