Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

10 
 Dezember 
 
2017


 

DICHTUNG Hermann Hesse
LESUNG Walter Franck
BEREITSTELLUNG LYRIK & MUSIK


 

Wie fremd und wunderlich das ist,
Daß immerfort in jeder Nacht
Der leise Brunnen weiterfließt,
Von Ahornschatten kühl bewacht.

Und immer wieder wie ein Duft
Der Mondschein auf den Giebeln liegt
Und durch die kühle, dunkle Luft
Die leichte Schar der Wolken fliegt!

Das alles steht und hat Bestand,
Wir aber ruhen eine Nacht
Und gehen weiter über Land,
Wird uns von niemand nachgedacht.

Und dann, vielleicht nach manchem Jahr,
Fälllt uns im Traum der Brunnen ein
Und Tor und Giebel, wie es war
Und jetzt noch und noch lang wird sein.

Wie Heimatahnung glänzt es her
Und war doch nur zu kurzer Rast
Ein fremdes Dach dem fremden Gast,
Er weiß nicht Stadt nicht Namen mehr.

Wie fremd und wunderlich das ist,
Daß immerfort in jeder Nacht
Der leise Brunnen weiterfließt,
Vom Ahornschatten kühl bewacht!

+1
 
 
6 
 Juni 
 
2017


 

Danaës bronzener Turm

 
Musik
Frédéric Chopin [1]Regentropfen-Prélude

Akrisios, der König von Argos, hatte zwar eine Tochter, aber keinen männlichen Erben.
Gewarnt vom Orakel („Du wirst keine Söhne haben und dein Enkel wird dich töten.“), verwahrt er die noch kinderlose Danaë in einem Verlies, das mit bronzenen Türen gesichert ist und von wilden Hunden bewacht wird.

Anderen Quellen zufolge wird sie in einen bronzenen Turm gesperrt.

Doch der Göttervater Zeus begehrt sie und findet durch das Dach des Gefängnisses Zugang zu ihr, indem er sich in einen goldenen Regen verwandelt. Danaë gebiert ihm den Sohn Perseus.

Quelle: WikiPedia

Der Sinnlichkeit Festung

 

Agrisios
stolzen Blickes das Turmverlies schauend

Mächtiger Steinbau ionischer Grazie:

      Strebe empor gleich erhabener Säule gepriesenen Heiligtums,
      birgst du doch selbst auch des Vaters behüteten Schatz!

      Stolze Streben noch stolz’ren Gebäus,
      kühn trotzend aller Lasten Gewalt!

      Keine irdische Macht,
      keines Mannes Begehren stürzt den Pallast,
      keines Frevlers Hand reisst den Säulenbau nieder!

 
Zeus
göttlichen Ratschlag erbetend

So fleh’ ich zu Amor, dem lüsternen Gott, zu
Minerva auch, himmlischen Beistand erhoffend …
… und jene gewähr’n meine Bitte,
einzunehmen der Sinnlichkeit Festung:

      In der Gestaltung goldenen Regens
      träuf’ ich ins stille Gemach
      und finde mich ein
      inmitten der zierlichen Pfeiler
      weiblicher Schöne.

Lege die stemmenden Hände
an die Stützen des rühmenden Baus
und schmieg’ mich dagegen…
Nichts rühret zunächst die marmone Schöne,
nichts erzittert unter eig’nem Bemühn.

„Amor, schaffe doch Recht dem Liebesgepeinigten!“

Und siehe, Amor, der nie Fehlende,
eilet mit lodernder Fackel hernieder.

Widerstand beugt sich nun höherer Macht
und was einst elfenbeinhart
weicht göttlicher Stärke,
erweicht an göttlicher Flamme.
Der Säulenbau erzittert unter der Gotteshand.

Schon drückt des Daches ungeheure Last,
schon stöhnt das Gebälk
und der Prunkbau droht jähen Momentes zu bersten.

Auch mir entfliehen die Siegeskräfte,
mein Haupt ermattet, entsinkt [2]der einstürzenden Welt

Nur mein friedvoller Blick
wandert aufwärts
auf heiligen Stufen ihres Leibes
zum Gnadenaltar,
hascht ihres Mundes liebfunkelnden Kelch.

Und der Liebe Schauer stürzt über mich ein.

→ zu Mnemosynes Geleit
Skulpturen des Adamas
0

Fußnoten[+]

 
 
16 
 Juli 
 
2016


 

DICHTUNG Hermann Hesse
LESUNG Dagmar Manzel
CELLO Jan Vogler
ARRANGEMENT Schönherz & Fleer
VIDEO Winter im Paris
BEREITSTELLUNG LYRIK & MUSIK


 

Auf Dach und Simsen überall
Der stetig leise Tropfenfall
Und weit hinein ins dunkle Land
Sanft wie ein Schleier ausgespannt,
Der sich im Winde senkt und hebt
Und leblos ist und dennoch lebt.
Der Acker, der die Wolke zieht,
Der Himmel, der zur Erde strebt,
Das wogt und rinnt und klagt und bebt
In diesem stetig leisen Lied,
So wie ein tiefer Geigenklang
Geheimer Sehnsucht dunklen Drang
In Töne hüllt und weiterträgt
Und da und dort ein Herz bewegt,
Das nach demselben Heimwehland
Sich sehnend keine Worte fand.
Und was nicht Wort, nicht Geige sagt,
Wird Ton und schwillt zu stiller Macht
Im stetig leisen Wiegetakt
Der windbewegten Regennacht;
Die nimmt, was klaglos rang und litt,
In ihre dunklen Lieder mit.

0