Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

4 
 Mai 
 
2018


 

DICHTUNG Wolfgang Borchert
LESUNG Florian Friedrich
BEREITSTELLUNG Florian Friedrich



Auf dem Nachhausewege 1945

Die Apfelblüten tun sich langsam zu
beim Abendvers der süßen Vogelkehle.
Die Frösche sammeln sich am Fuß des Stegs.
Die Biene summt den Tag zur Ruh –
nur meine Seele
ist noch unterwegs.

Die Straße sehnt sich nach der nahen Stadt,
wo in der Nacht das Leben weiterglimmt,
weil hier noch Herzen schlagen.
Wer jetzt noch kein Zuhause hat,
wenn ihn die Nacht gefangen nimmt,
der muss noch lange fragen:
Warum die Blumen leidlos sind –
warum die Vögel niemals weinen –
und ob der Mond wohl auch so müde ist –

Und dann erbarmt sich leis ein Wind des einen,
bis er –im Schlaf– die Welt vergisst.

 
 
25 
 November 
 
2017


 

Die beflügelten Beinschienen
von Marathon
[1]48 Rüstung
12% Durchschlagswiderstand
12% Kältewiderstand
+10 Stärke
+60 Leben
+16 Verteidigungsqualität
+19% Bewegung


 
» Wundersam hob sich der Berge schneeflohes Haupt
aus der Ebene Niederungen… «
   [2]aus: „Der Alpenpass“
Sosylos,
antiker Geschichtsschreiber aus Sparta


 


Musik
Ben Hur – Ouvertüre (1959) [3]Quelle: YouTube



Der karthagische Heerführer
Hannibal

 

/\
/   \
//  Hannibals Gebirgssteig  \\

 
Weithin schmiegt sich
der Ebene Glimmerfluss [4]der Schneedecke leicht aufgewelltes Laken
an den Fuß des ragen Gebirgs.

Nachtes ahnend drängen
die steilen Klippen
schattenverhangen
bereits zum Zenit tröstender Hoffnung,
der Sehnsucht Erfüllung.

* * *

Noch späht der irrende Blick
dämmerschwer
auf dunkler Fährte
nach lichtem Pfade,
kräftezerstoben
an schroffen Hängen blanken Granits [5]Plagioklas-Feldspat
nach kühnem Aufstieg.

* * *

Friedvoller Schau nun
auf gipfelnder Höh‘
im Morgenglühn, [6]Alpenglühn
streift geschmeidigen Abhangs [7]Gebirgsrücken
er ins freudige Tal.
→ zu Mnemosynes Geleit
Hephaistos‘ Kunstschmiede

Fußnoten   [ + ]

 
 
28 
 Oktober 
 
2017

Schlagwörter

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Lutz Görner lädt uns zu einer literarischen Reise ein

 

Die Blumen des Bösen (Les fleurs du mal) (0:32)
Charles Baudelaire (1821 – 1867)
In Dumpfheit, Irrtum, Sünde, immer tiefer
Versinken wir mit Seele und mit Leib.
Und Reue, diesen lieben Zeitvertreib,
Ernähren wir wie Bettler ihr Geziefer.
Des Teufels Fäden sinds, die uns bewegen.
Wir lieben Graun, berauschen uns im Sumpf.
Und Tag für Tag zerrt willenlos und stumpf
Der Böse uns der Hölle Stank entgegen.
Wie an der Brust gealterter Mätressen,
Der arme Wüstling stillt die tolle Gier,
So haschen nach geheimen Lüsten wir,
Um sie wie dürre Früchte auszupressen.
Der Feind (2:53)
Charles Baudelaire (1821 – 1867)
Mein Kinderland war voll Gewittertagen,
Nur selten hat die Sonne mich gestreift,
Und viele Blüten hat der Blitz zerschlagen,
So dass nur wenig Früchte mir mein Garten reift.
Der Albatros (4:14)
Charles Baudelaire (1821 – 1867)
Oft kommt es vor, dass, um sich zu vergnügen,
Das Schiffsvolk einen Albatros ergreift.
Den großen Vogel, der in lässgen Flügen
Dem Schiffe folgt, das durch die Wogen streift.

Doch, – kaum gefangen auf des Schiffes Planken –
Der stolze König in der Bläue Reich,
Lässt traurig seine mächtgen Flügel hangen,
Die, ungeschickten, langen Rudern gleich,

Nun matt und jämmerlich am Boden schleifen.
Wie ist der stolze Vogel nun so zahm!
Sie necken ihn mit ihren Tabakspfeifen,
Verspotten seinen Gang, der schwach und lahm.

Der Dichter gleicht dem Wolkenfürsten droben,
Er lacht des Schützen hoch im Sturmeswehn.
Doch unten in des Volkes frechem Toben
Verhindern mächtge Flügel ihn am Gehn.
An ein Mädchen aus Mauritius (5:55)
Charles Baudelaire (1821 – 1867)
So fein sind Hand und Fuß, so weich der Hüften Biegen.
Europas Schönste müsst im Wettstreit dir erliegen.
Mein Blick voll Lust den holden Körper schaut,
Und deine dunklen Augen, die schwärzer als die Haut.
Im Morgenwind, wenn leise singen die Platanen,
Kaufst du dir Ananas und saftige Bananen.
Und senkt der Abend dann des Scharlachmantels Schatten,
Streckst du die Glieder sanft auf den geflochtenen Matten,
Und Träume flattern auf, den bunten Vögeln gleich,
Beschwingt und zart wie du, wie du an Anmut reich.

Was zieht dich, glücklich Kind, nach unsrem fernen Lande,
Von Menschen übervoll und voll von Leid und Schande,
Weshalb dich anvertrauen denn den Schiffern und den Winden
Und heißen Abschied nehmen nun von deinen Tamarinden?
Ach Mädchen, halbbekleidet nur mit zartem Musselin,
Wenn dich der Hagel trifft, Schneestürme dich umziehn,
Wie wirst du weinen um die Tage, die verrannen,
Wie wird ein Mieder dir die Hüften roh umspannen!
Und wenn du müde ziehst durch unsren Schlamm und Kot,
Und deinen fremden Reiz verkaufst ums Abendbrot,
Dann wird dein Auge starr durch trübe Nebel träumen,
Und du siehst fern und wirr Schatten von Kokosbäumen.