Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

29 
 Juli 
 
2018


 

Kephalos und Aurora

 

Musik
Franz Schubert [1]Symphony No. 5
II. Andante Con Moto

Schwester Sonne

Oh Morgenstrahl im Schlafgemach!
Bist du der Sonne zärtlich Streich?
Gar Schimmerwurf des seidnen Haars
der neben mir Erwachenden?

Mich wunderts, morgentliche Schöne,
der Täuschung deiner süß erlegen,
denn beides frommt gelinde mir,
zeigt schwesterlich sich golden.
→ zu Mnemosynes Geleit
Pygmalions Werkstatt

Fußnoten   [ + ]

 
 
24 
 Dezember 
 
2017


 

DICHTUNG Otto Julius Bierbaum
LESUNG Bettina Radener


 

Hört, schöne Herr`n und Frauen,
Die ihr im Lichte seid:
Wir kommen aus dem Grauen,
Dem Lande Not und Leid;
Weh tun uns unsre Füße
Und unsre Herzen weh,
Doch kam uns eine süße
Botschaft aus Eis und Schnee.
Es ist ein Licht erklommen,
Und uns auch gilt sein Schein.
Wir habens wohl vernommen:
Das Christkind ist gekommen
Und soll auch uns gekommen sein.

Drum gehen wir zu den Orten,
Die hell erleuchtet sind,
Und klopfen an die Pforten:
Ist hier das Christuskind?
Es hat wohl nicht gefunden
Den Weg in unsre Nacht,
Drum haben wir mit wunden
Füßen uns aufgemacht,
Dass wir ihm unsre frommen
Herzen und Bitten weihn.
Wir habens wohl vernommen:
Das Christkind ist gekommen
Und soll auch uns gekommen sein.

So lasst es uns erschauen,
Die ihr im Lichte seid!
Wir kommen aus dem Grauen,
Dem Lande Not und Leid;
Wir kommen mit wund‘ Füßen,
doch sind wir trostgemut:
Wenn wir das Christkind grüßen,
Wird alles, alles gut.
Der Stern, der heut erglommen,
Gibt allen seinen Schein:
das Christkind ist gekommen! –
Die ihr es aufgenommen,
O, lasst auch uns zu Gaste sein!

 
 
19 
 November 
 
2017

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Sonett XXVII.

Ich eil’ ins Bett, ermüdet von Beschwer,
Zur holden Ruhstatt weitgereister Glieder;
Doch auf den Weg macht sich das Haupt nunmehr,
Wach wird die Seele, sinkt der Leib darnieder.

Denn jetzo suchen die Gedanken dich,
Aus welcher Fern’ auf frommer Pilgerschaft;
Weit offen halten Augenlider sich,
Ich blick im Dunkel, wie ein Blinder gafft.

Nur meines Geistes Aug’ einbildsamlich
Stellt dein Phantom unsehenden Augen dar:
Dort hängt’s in Nächten ein Juwel für mich,
Verklärt das alte Dunkel wunderbar.

Sieh, wie am Tag den Leib, nachts das Gemüt,
Um dich und mich, ersehnte Ruhe flieht!