Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

31 
 Dezember 
 
2018


 



 

Das Standbild der Athena Promachos, der „in vorderster Linie Kämpfenden“, war eine kolossale Bronzestatue aus der Hand des Bildhauers Phidias. Sie stand zwischen dem Eingang zur Athener Akropolis, den Propyläen, und dem Erechtheion und somit links des Prozessionswegs zum Parthenon. Athena war die Schutzgöttin Athens, mehrere ihrer Standbilder befanden sich auf der Akropolis, unter anderem zwei weitere Werke des Phidias: die Athena Parthenos im Parthenon und die Athena Lemnia. Der Name Athena Promachos ist zum ersten Mal im 4. Jahrhundert n. Chr. belegt. Noch Pausanias nannte sie schlicht die große Athena aus Bronze auf der Akropolis.

Quelle: WikiPedia

 
Die Einkommensteuer-Erklärung

Ehrliches Dankwort entsend‘ ich Martina, der Kriegsherrin auf dem
Schlachtfeld der Bürokratie, [das] bisher mir Sumpf nur und Not [1]beziehend auf „Schlachfeld der Bürokratie“ nicht auf Martina!
Ihr Regiment führte Heere von Zahlen aus Gräben des dumpfen
Daseins verstaubten Archivs herrlich hinauf zu den Höh’n
sonniger Zukunft: versilberte Freuden auf blankem Papier! Und
wofür ich Tage gebraucht, hilft nun ihr dienend‘ Programm! [2]
SteuerSparErklaerung2015


 

 

Musik
Antonio Vivaldi [3]Die 4 Jahreszeiten – Der Winter

  • Fußnoten   [ + ]

     
     
    30 
     Dezember 
     
    2018

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    Lutz Görner lädt uns zu einer literarischen Reise ein

     

    Grashalme (Leaves of grass) (0:35)
    Walt Whitman (1819 – 1892)
    Ihr in den fremden Ländern, in Europa!
    Ich hörte, dass ihr wünscht,
    Dass ich euch dies Rätsel, die neue Welt, erkläre.
    Amerika und seine athletische Demokratie!
    So sende ich euch denn meine Gedichte,
    Damit ihr in ihnen schaut,
    Wonach ihr verlangt.
    Denn in euch allen,
    Pulst Leben, Stolz, Liebe,
    Genau wie in mir.
    So seien Euch meine Lieder geweiht.
    Grashalme (Leaves of grass) (3:07)
    Walt Whitman (1819 – 1892)
    Ich singe über mich und mein schlichtes, mein einzelnes Wesen.
    Ich feiere mich selbst und singe mich selbst.
    Doch ich singe auch über Demokratie und die Vielen.
    Denn jedes Atom, das mir gehört, es gehört ja auch dir.
    Und was ich mir nehme, das sollst auch du dir nehmen.
    Ich schlendre dahin und lad meine Seele zu Gast.
    Ich neige mich, schlendre behaglich dahin,
    Einen Halm grünen Sommergrases betrachtend.
    Ich singe das Leben, unermesslich in Leidenschaft,
    Pulsschlag und Kraft, heiter zu freiester Tat,
    Geformt nach Gottes Gesetz.
    Ich singe das Weibliche ebenso wie ich das Männliche singe.
    Ich singe den heutigen, singe den neuen, den amerikanischen Menschen.
    Grashalme (Leaves of grass) (4:36)
    Walt Whitman (1819 – 1892)
    Du Hottentott mit schnalzendem Gaumen! Ihr wollhaarigen Horden!
    Ihr Leibeigenen, die ihr von Schweiß oder Blut trieft!
    Ihr Elenden, verachtet selbst vom Niedrigsten der anderen!
    Du zwerghafter Kamtschakale, Grönländer, Lappe!
    Du Australneger, der du nackt, roh, schmutzig, mit vorragender Lippe, schleichend deine
    Nahrung suchst!
    Du Kaffer, Berber, Sudanese!
    Du hagerer, ungeschlachter, unwissender Beduine!
    Du seuchenbehaftetes Gewimmel in Madras, Nanking, Kabul, Kairo!
    Du umnachteter Nomade von Amazonien!
    Du Patagonier! Du Fidschi-Insulaner!
    Ich ziehe keinen dem andern vor!
    Ich sage kein Wort gegen euch dort hinten, wo ihr jetzt steht!
    Ihr werdet zur richtigen Zeit vorwärts und an meine Seite kommen!
    Ich glaube, irgendein göttlicher Einfluss hat mich euch gleichgestellt.
    Auf der Halbinsel, hier in Manahatta,
    Steh ich, auf dem hohen Felsen New York,
    Um von dort auszurufen: Salut au monde! – Welt sei gegrüßt!
    Zu euch allen in Amerikas Namen.
    Senkrecht heb ich die Hand empor, gebe das Signal,
    Für alle Orte und Wohnungen der Menschen.
    Captain, my captain (7:44)
    Walt Whitman (1819 – 1892)
    O Captain! My Captain!
    Our fearful trip is done.
    The ship has weathered every rack,
    The prize we sought is won.
    O Captain! My Captain!
    Rise up and hear the bells.
    Rise up – for you the flag is flung –
    For you the bugle trills.
    My Captain does not answer,
    His lips are pale and still.
    My father does not feel my arm,
    He has no pulse nor will.
    The ship is anchored safe and sound,
    Its voyage closed and done.
    From fearful trip, the victor ship,
    Comes in with object won.
    Exult, o shores, and ring, o bells!
    But I, with mournful tread,
    Walk the deck my Captain lies,
    Fallen cold and dead.

    Übersetzung von Ferdinand Freiligrath

    O Kapitän! Mein Kapitän!
    Gefahr und Fahrt ist aus.
    Das Schiff besiegte Sturm und Riff
    Und bringt den Sieg nach Haus.
    O Kapitän! Mein Kapitän!
    Steh auf, vernimm die Glocken!
    Steh auf! Für dich Trompetenschall,
    Der Fahnen frohes Locken!
    Mein Kapitän gibt Antwort nicht,
    Sein Mund ist fahl und stille.
    Mein Vater fühlt nicht meinen Arm,
    Ihm stocken Puls und Wille.
    Das Schiff vor Anker gut und fest.
    Die fahrt getan und aus.
    Trotz Not und Sturm, das Siegerschiff
    Bringt den Preis nach Haus.
    Ach, jauchzt nur, Ufer! Glocken, schallt!
    Doch ich, in Schmerz und Not,
    Geh noch auf Deck, wo mein Kapitän liegt,
    Gefallen, kalt und tot.
     
     
    28 
     Dezember 
     
    2018

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    Lutz Görner lädt uns zu einer literarischen Reise ein

     

    Eine Nacht (0:08)
    Gottfried Keller (1819 – 1890)
    […]
    O weh mir, wehe! Meines Lebens Kreis,
    Er hat sein Mittel und sein Maß verloren!
    Ich bin ein wurzellos, zerknicktes Reis,
    Dem Wintersturm zum leichten Spiel erkoren!
    Der ich des Lebens Grundstein nicht gelegt,
    Mir wäre besser, wenn ich nie geboren!

    Der ich die Jugendzeit nicht zart gepflegt,
    Werd nimmermehr die Zeit der Tat genießen!
    Wie kann dem Baum, der keine Blüten trägt,
    Dereinst die segensvolle Frucht entsprießen?
    Und, da mein Quell verschüttet ist im Sand,
    Kann je mein Strom frisch durch Gefilde fließen?
    […]
    Der Schulgenoß (1:31)
    Gottfried Keller (1819 – 1890)
    Wohin hat dich dein guter Stern gezogen,
    Mein Schulfreund aus den ersten Knabenjahren?
    Wie weit sind auseinander wir gefahren
    In unsern Schifflein auf des Lebens Wogen?

    Als wir die Untersten der Klasse waren,
    Wie haben wir treuherzig uns betrogen,
    Erfinderisch und schwärmrisch uns belogen
    Mit Abenteuern, Liebschaft und Gefahren!

    Da seh ich just, beim Schimmer der Laterne,
    Wie mir gebückt, zerlumpt ein Vagabund
    Mit einem Häscher scheu vorübergeht –

    So also wendeten sich unsre Sterne?
    Und so hat es gewuchert, unser Pfund?
    Du bist ein Schelm geworden – ich Poet!
    Ich bin ein armer Schlucker (3:17)
    Gottfried Keller (1819 – 1890)
    Ich bin ein armer Schlucker
    Und tölpischer Gesell.
    Hab gegen feine Mucker
    Ein widerborstig Fell.

    Ich bin als wilder Zecher
    Auf einen Trunk erpicht,
    Doch füllet meinen Becher
    Ein edler Tropfen nicht.

    Ich bin ein guter Streiter
    Mit ungewaschnem Maul,
    Ich bin ein guter Reiter,
    Wenn auch auf magrem Gaul!

    Und ob mein Schild auch rostig ist,
    Und ob mein Schwert auch schartig ist,
    Ich schlage drein nicht faul!
    Die öffentlichen Verleumder (5:00)
    Gottfried Keller (1819 – 1890)
    Ein Volksverleumder ruht
    In Staub und trocknem Schlamme
    Verborgen, wie die Flamme
    In leichter Asche tut.

    Er findet, wo er geht,
    Die Leere dürftger Zeiten,
    So kann er schamlos schreiten.
    Nun wird er ein Prophet.

    Auf einen Kehricht stellt
    Er seine Schelmenfüße
    Und zischelt seine Grüße
    In die verblüffte Welt.

    Gehüllt in Niedertracht
    Gleichwie in einer Wolke,
    Ein Lügner vor dem Volke,
    Ragt bald er groß an Macht.

    Erst log allein der Hund,
    Nun lügen ihrer tausend.
    Und wie ein Sturm erbrausend,
    So wuchert jetzt sein Pfund.

    Hoch schießt empor die Saat!
    Verwandelt sind die Lande.
    Die Menge lebt in Schande
    Und lacht der Schofeltat!

    Wenn einstmals diese Not
    Lang wie ein Eis gebrochen,
    Dann wird davon gesprochen,
    Wie von dem schwarzen Tod.

    Und einen Strohmann baun
    Die Kinder auf der Heide,
    Zu brennen Lust aus Leide
    Und Licht aus altem Graun.
    Ehescheidung (7:00)
    Gottfried Keller (1819 – 1890)
    Zum Pfäffel kam ein Paar und rief:
    »Geschwind und lasst uns frein!
    Wir können keinen einzigen Tag
    Mehr ohne einander sein!«

    Doch als ein Jährlein kaum verstrich,
    Da liefen sie herbei und schrien:
    »Herr Pfarrer, trennt und scheidet uns,
    Lasst keine Minute fliehn!«

    Das Pfäfflein runzelte sich und sprach:
    »Macht euch die Scham nicht rot?
    Wir haben es alle drei gelobt,
    Euch trenne nur der Tod!«

    »Rot macht die Scham, doch Reue blass!
    Herr Pfarrer, gebt uns frei!«
    Der Mann bot einen Taler dar,
    Die Frau der Taler zwei.

    Da tat das Pfäffel zwischen sie
    Ein Kätzlein, heil und ganz.
    Der Mann, der hielt es bei dem Kopf,
    Die Frau hielt es am Schwanz.

    Mit seinem Küchenmesser schnitt
    Der Pfaff die Katz entzwei:
    »Es trennt, es trennt, es trennt der Tod!«
    Da waren sie wieder frei.