Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

1 
 April 
 
2018


 

DICHTUNG Friedrich Schiller
REALISIERUNG Erna Fröhlich und Heide-Marie Heimhard
BEREITSTELLUNG Dancingsoul Munich


 

Somit wäre die schon ewig anhaltende Challenge zwischen den Geschlechtern wohl endlich beendet… 🙂

Ehret die Frauen! sie flechten und weben
Himmlische Rosen ins irdische Leben,
Flechten der Liebe beglückendes Band,
Und in der Grazie züchtigem Schleier
Nähren sie wachsam das ewige Feuer
Schöner Gefühle mit heiliger Hand.

        Ewig aus der Wahrheit Schranken
        Schweift des Mannes wilde Kraft;
        Unstet treiben die Gedanken
        Auf dem Meer der Leidenschaft;
        Gierig greift er in die Ferne,
        Nimmer wird sein Herz gestillt;
        Rastlos durch entlegne Sterne
        Jagt er seines Traumes Bild.

Aber mit zauberisch fesselndem Blicke
Winken die Frauen den Flüchtling zurücke,
Warnend zurück in der Gegenwart Spur.
In der Mutter bescheidener Hütte
Sind sie geblieben mit schamhafter Sitte,
Treue Töchter der frommen Natur.

        Feindlich ist des Mannes Streben,
        Mit zermalmender Gewalt
        Geht der wilde durch das Leben,
        Ohne Rast und Aufenthalt.
        Was er schuf, zerstört er wieder,
        Nimmer ruht der Wünsche Streit,
        Nimmer, wie das Haupt der Hyder
        Ewig fällt und sich erneut.

Aber zufrieden mit stillerem Ruhme,
Brechen die Frauen des Augenblicks Blume,
Nähren sie sorgsam mit liebendem Fleiß,
Freier in ihrem gebundenen Wirken,
Reicher, als er, in des Wissens Bezirken
Und in der Dichtung unendlichem Kreis.

        Streng und stolz, sich selbst genügend,
        Kennt des Mannes kalte Brust,
        Herzlich an ein Herz sich schmiegend,
        Nicht der Liebe Götterlust,
        Kennet nicht den Tausch der Seelen,
        Nicht in Thränen schmilzt er hin;
        Selbst des Lebens Kämpfe stählen
        Härter seinen harten Sinn.

Aber wie leise vom Zephyr erschüttert,
Schnell die äolische Harfe erzittert,
Also die fühlende Seele der Frau.
Zärtlich geängstigt vom Bilde der Qualen
Wallet der liebende Busen, es strahlen
Perlend die Augen von himmlischem Thau.

        In der Männer Herrschgebiete
        Gilt der Stärke trotzig Recht;
        Mit dem Schwert beweist der Scythe,
        Und der Perser wird zum Knecht.
        Es befehden sich im Grimme
        Die Begierden wild und roh,
        Und der Eris rauhe Stimme
        Waltet, wo die Charis floh.

Aber mit sanft überredender Bitte
Führen die Frauen den Scepter der Sitte,
Löschen die Zwietracht, die tobend entglüht,
Lehren die Kräfte, die feindlich sich hassen,
Sich in der lieblichen Form zu umfassen,
Und vereinen, was ewig sich flieht.

 
 
3 
 März 
 
2018

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DICHTUNG Conrad Ferdinand Meyer
LESUNG Walter Franck
BEREITSTELLUNG LYRIK & MUSIK



Ich bin einmal in einem Tal gegangen,
Das fern der Welt, dem Himmel nahe war,
Durch das Gelände seiner Wiesen klangen
Die Sensen rings der zweiten Mahd im Jahr.

Ich schritt durch eines Dörfchens stille Gassen.
Kein Laut. Vor einer Hütte sass allein
Ein alter Mann, von seiner Kraft verlassen,
Und schaute feiernd auf den Firneschein.

Zuweilen, in die Hand gelegt die Stirne,
Seh ich den Himmel jenes Tales blaun,
Den Müden seh ich wieder auf die Firne,
Die nahen, selig klaren Firne schaun.

′s ist nur ein Traum. Wohl ist der Greis geschieden
Aus dieser Sonne Licht, von Jahren schwer;
Er schlummert wohl in seines Grabes Frieden,
Und seine Bank steht vor der Hütte leer.

Noch pulst mein Leben feurig. Wie den andern
Kommt mir ein Tag, da mich die Kraft verrät;
Dann will ich langsam in die Berge wandern
Und suchen, wo die Bank des Alten steht.

 
 
19 
 November 
 
2017

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Gedankenschau
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