Ullins Sonnenharfe


Ullin spielet die Harfe auf
Alpin leiht den Gesang


 

Alpins Bergeshöhn ((Alpines Geisteslicht))

S i e h ',
wie im ersten Morgenlichte
ausgegossener Losung
an milder Lippen weicher Grate
kristall die Schmelze träuft!

Bläulich entsteiget ((entwindet))
ein W o h l d u f t
dem Enzian blumer Stimme,
und atmet
neigend sein sinnendes Haupt
der Knospe stummen Zauber.

F l a u s c h
ziehn der Worte flaute Wölkchen
an schroffem Hange ((des Alltags Ungemach)) vorüber
hinan zum Mooseshügel
trauter Anhöh’.

L a u s c h ',
wie im milden Gnadenscheine
flutgehauchter ((frz. flûte, die Flöte betreffend)) Goldung
im klaren Auge reinen Klanges
sich tau der Firn leis bricht!
Und dann
in seligem Strome Wellenfall
melodisch mir durchs Tal
der weiten Brust nun zieht!

Fürwahr,
ich f ü h l ‘s!

→ zu Mnemosynes Geleit
Hephaistos’ Kunstschmiede
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Vor lauter Lauschen und Staunen sei still

https://www.youtube.com/watch?v=9beCFmYKMv8

DICHTUNG Rainer Maria Rilke
LESUNG Barbara Sukowa
ARRANGEMENT Schönherz & Fleer
BEREITSTELLUNG LYRIK & MUSIK



Vor lauter Lauschen und Staunen sei still,
du mein tieftiefes Leben;
dass du weisst, was der Wind dir will,
eh noch die Birken beben.

Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,
lass deine Sinne besiegen.
Jedem Hauche gieb dich, gieb nach,
er wird dich lieben und wiegen.

Und dann meine Seele sei weit, sei weit,
dass dir das Leben gelinge,
breite dich wie ein Feierkleid
über die sinnenden Dinge.

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Selbstverneinung

Ich bin kein Dichter,
fischt er
berauscht doch oft
im klaren Strom
der Erkenntnis
und folgt dem wechselvollen Spiel
der Wellen.

Ich indes verweile
sinnend
am seichten Ufer
trüber Einsicht
und starre
aufs geknickte Schilfrohr.

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