Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

4 
 Juli 
 
2018


 


Der gute Hirte


Psalm 23


1.
Der Herr, mein Hirte, führet mich.
Fürwahr, nichts mangelt mir.
Er lagert mich auf grünen Au’n
bei frischem Wasser hier.

2.
Erquickung schenkt er meiner Seel‘
und führet gnädiglich
um seines hohen Namens Ehr
auf rechter Straße mich.

3.
Geh ich durch’s dunkle Todestal,
ich fürcht‘ kein Unglück dort.
Denn du bist da, dein Stecken und Stab
sind Tröstung mir und Hort.

4.
Den Tisch bereitest du vor mir,
selbst vor der Feinde Schar.
Mein Haupt salbst du mit deinem Öl,
mein Kelch fließt über gar.

5.
Ja, deine Güte folget mir
mein ganzes Leben lang,
und immerdar im Haus des Herrn
ertönt mein Lobgesang.

 
 
20 
 Mai 
 
2018


 

Als Mozart beginnt, sich mit Emanuel Schikaneder und seiner vor allem weiblichen Schauspielertruppe herumzutreiben, reist Constanze zur Kur nach Baden.
Mozart schreibt seine letzte Oper, die Zauberflöte. Als er während der Uraufführung zusammenbricht, wird er von Salieri nach Hause begleitet und zu Bett gebracht. Kurz darauf klopft es an der Tür. Mozart glaubt, es sei der anonyme Bote, der sein Auftragswerk abholen will. Vor der Tür steht jedoch Schikaneder mit ein paar Sängerinnen und überbringt ihm den Erlös der Aufführung. Salieri lässt Mozart im Glauben, es sei der Bote gewesen, der auf die Fertigstellung des Requiems gedrängt habe. Mozart bittet Salieri, ihm bei der Fertigstellung der Komposition zu helfen, und diktiert ihm das Confutatis.

Quelle: WikiPedia


Requiem KV 626
VI. Confutatis



 
Confutatis maledictis,
Wenn vergehen werden die Verdammten.

Flammis acribus addictis,
die den Flammen, den verzehrenden, ausgesetzt werden,

Voca me cum benedictis.
[dann] rufe mich zu den Gesegneten.

 

 

Oro supplex et acclinis,
Ich bitte unterwürfig und demütig,

Cor contritum quasi cinis:
mit einem Herzen, das sich in Reue zerknirscht wie Asche:

Gere curam mei finis.
Nimm dich hilfreich meines Endes an.



 

 

 
 
12 
 März 
 
2018


 
The Bard 1778 Benjamin West 1738-1820 Purchased 1974
[1]Benjamin West
Ullin – Fingals Barde
 
Musik
Antonio Vivaldi [2]Gloria II – Et in Terra Pax Hominibus
National Chamber Choir Of Armenia


Ullin spielet die Harfe auf
Alpin leiht den Gesang


 

Alpins Bergeshöhn [3]Alpines Geisteslicht

S i e h ',
wie im ersten Morgenlichte
ausgegossener Losung
an milder Lippen weicher Grate
kristall die Schmelze träuft!

Bläulich entsteiget [4]entwindet
ein W o h l d u f t
dem Enzian blumer Stimme,
und atmet
neigend sein sinnendes Haupt
der Knospe stummen Zauber.

F l a u s c h
ziehn der Worte flaute Wölkchen
an schroffem Hange [5]des Alltags Ungemach vorüber
hinan zum Mooseshügel
trauter Anhöh‘.

L a u s c h ',
wie im milden Gnadenscheine
flutgehauchter [6]frz. flûte, die Flöte betreffend Goldung
im klaren Auge reinen Klanges
sich tau der Firn leis bricht!
Und dann
in seligem Strome Wellenfall
melodisch mir durchs Tal
der weiten Brust nun zieht!

Fürwahr,
ich f ü h l ’s!

→ zu Mnemosynes Geleit
Hephaistos‘ Kunstschmiede

Fußnoten[+]

 
 
23 
 Februar 
 
2018

abgelegt in
Domin, Hilde

 
  • Schreiben ist die Notwendigkeit zu sagen, was in einem ist.
  • Dichtung ist ein Augenblick von Freiheit.
  • Dichten ist zweckfrei, stößt einem zu und hatte im Nachhinein einen Sinn, ist eine Gnade. Schreiben ist eine Rettung.
    Man muss zwei Sachen tun, man muss auf der einen Seite das Wort haben, auf der anderen Seite die Erfahrung.
  • Es gibt beim Dichten auch keinen „Dritten“. „Ich halte mich wie Virginia Woolf an den Grundsatz: Nicht schielen. Weder nach dem möglichen Leser noch nach den maßgebenden Kritikern“.
  • Ein Gedicht kommt zustande durch ein Miteinander- und Gegeneinander von Ratio und Emotion, ist ein „gefrorener Augenblick“. Der Dichter hat das Glück, die „Gnade“, das sie aussprechen können, das sie zutiefst bewegt und das er auch in der Lage ist, dies handwerklich gut zu machen.
  • Ein Gedicht ist die Kunst, mit wenig viel zu sagen.
  • Im Gegensatz von privaten Aufzeichnungen entfällt der nicht exemplarische Umstand. Es bleibt das Modellhafte der Erfahrung.
  • Die intensiven Augenblicke, in denen man selbst ist, brauchen kein Wozu und sind zweckfrei.
  • Gedichte können neben (verschlissenen) Reime auch einen Auf- und Abschwung haben (Klangfarbe).
 
 
7 
 März 
 
2017


 

Des Glückes Sold
Tribut für die unbeschwerten Kindestage

Dumpf steigt aus kühler Herzensgruft
der bersten Glocke Leidgesang,
der luftgewogen durch die kalte Geistesnacht
gespenstisch raunt und Tränenzoll erheischt.
Gewiss, Tränenzoll,
als Preisgeld heitrer Erdenstunden.

Oh Hades,
Du schmuckerpichter Schattenfürst,
dem’s selbst an prächtigem Gewand ermangelt!

Wie lang, wie lang gedenkst Du noch,
dass mit der Seele heiligen Tränenflut
ich Dir die unbeschwerten Kindestage löhne,
mit salziger Perlenzier
die Halseskette mühesam Dir fädle,
dass sie mit prunkem Tränenschimmer
Dich lieblicher erstrahlen möge?

Zier’ mit dieser Ruhmeskette
doch Deiner Gattin marmorweißen Hals,
dass ehrend sie zum holden Dank
mit ihrem duft’gen Wiesenzauber
den welken Garten Deiner fernen Jugend
wieder grünen lässt
und sende mir indes
Zephyros‘ milden Wonnehauch!

Lass Deine grauen Wolkenschleier fallen,
mich Helios’ gold’nes Antlitz schaun,
den frostigen Gedankenschauer,
der mir in bangem Busen wintert
in seinem Gnadenlichte schmelzen,
beströmend seiner lichten Segensgabe
die eisen Herzensquellen tauend brechen!

→ zu Mnemosynes Geleit
Hephaistos‘ Kunstschmiede
 
 
5 
 März 
 
2017


 

Dichterarena

Nicht Pindar preis‘ ich, noch Ibykos, noch Alkaios,
das Pferdegespann antiker Dichtung…
Apoll nur, dem Lenker des Wagens, gilt Ruhm!

Denn erst wenn die Gottheit
den Zügel der sprachlichen Wendung wohl führt,
dem Versfuß sodann galoppierende Gräzie befehligt,
vollenden Dichter im Wettstreitgemenge die Laufbahn,
grünt ihnen der Lorbeer.

→ zu Mnemosynes Geleit
Hephaistos‘ Kunstschmiede