Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

10 
 Januar 
 
2018

abgelegt in
Pantheismus | Religion

 

Der Pantheismus lehrt, dass Gott/die Natur in seiner/ihrer Allmacht nicht auf ein paar (Buch-)Seiten REDUZIERT werden darf und schon das „Einpressen“ zwischen zwei Buchdeckeln Verrat/Gotteslästerung darstellt.

Wie dieses meist ideologisch-motivierte-instrumentalisierte Buch in welcher wahren oder unwahren Religion heißt, spielt eigentlich keine Rolle.

Aber egal, Gott/die Natur lässt sich von keiner Glaubensgemeinschaft beleidigen/reduzieren/instrumentalisieren und wusste dies in der Geschichte schon immer zu korrigieren. Dahin zielt mein Gottvertrauen…

 
 
20 
 Juli 
 
2017


 

Deiner heiligen Zeichen, o Wahrheit, hat der Betrug sich
Angemaßt, der Natur köstlichste Stimmen entweiht,
Die das bedürftige Herz in der Freude Drang sich erfindet […]

aus: Der Spaziergang (Friedrich Schiller)

Ernüchternde Texte, die Stereotypen von der Stange abgreifen, mit unebener, panzerrollender Metrik, die lediglich nur durch den Gesang ihr rettendes HEIL in der metrischen Glättung mittels Silbenverschleifung sich erhofft.

Um metrische Formschöne und Gedankentiefgang geht es aber auch garnicht.
Es geht nicht wirklich um eine intellektuelle, gedankendifferenzierte Auseinandersetzung mit lösungsorientiertem Ansatz für Problemfelder in einer hochkomplexen Gesellschaft.

Der Ankerpunkt ist ein anderer.
Es soll vornehmlich das (Gemeinschafts-)Gefühl genährt, befriedet und zugleich besstürmt werden.

Der Schöngeist indessen erleidet einen Stoß und dies ist wahrlich keine von mir imaginierte Dolchstoßlegende!

An diesem Wesen wird nur die eigene (konstruierte Gedanken-)Welt genesen.
Jenen Gefühlscocktail reichten mir mitunter etliche religiöse Gemeinschaften bereits schon.

Auch der vermeintlich bergende Schoß der Folklore tröstet mich nicht wirklich darüber hinweg.

Worin erfindet sich dann der deutsche Idealismus?
Meine Suche geht weiter…

 
 
18 
 Dezember 
 
2011

abgelegt in
Gedankenschau

 

In Anspielung auf das Märchen von der wundersamen Speisung der fünftausend „Männer, ohne Frauen und Kinder“.
Märchen???

Von der literarischen Gattung ist die Speisung der 5000 zunächst kein Märchen, sondern ein Gleichnis.
Ein Gleichnis ist laut unserer allzeit beliebten Wikipedia „eine bildhafte rhetorische Figur zur Veranschaulichung eines Sachverhalts mittels eines Vergleichs […] und verfolgt den didaktischen Anspruch, einen komplexen oft theoretischen Sachverhalt in Form einer bildhaften und konkreten Darstellung abzubilden.“
Man wählte also die Sprache des einfachen Landvolks und verlor sich auch nicht in mehrfach verschachtelten Nebensätzen wie es vielfach (auch heute noch) Akademiker tun.

Insofern ist es auch egal, ob es 5000 (Menschen!) waren oder nur lediglich 5.
Es ist auch egal, ob es Tierkadaver (Fische) waren, die sich wundersam vermehrten.
Es hätten genauso gut Äpfel und Birnen sein können.
Oder auch nur Worte, nach denen das Volk damals „hungerte“ und „gesättigt“ wurde.

Man sollte, sofern Textanalyse mit literaturwissenschaftlichem Ernst betrieben wird, sich vorher über die Textart im klaren sein, um den Text sodann mit der adäquaten „Lesebrille“ konzeptionell richtig einzuordnen.

Und genau in diesem Punkt polarisieren sich die Lager.

Auf der einen Seite stehen die fundamentalistischen Christen, die eine 1:1-Übertragung in den Alltag dem Text zumuten und den Textgehalt maßlos überstrapazieren, verfremden, deformieren und meist für ihre eigene Ideologie modifizieren geradezu instrumentalisieren, sich zugleich auf göttliche Legitimation berufen, als letztes Glied der Heilsgeschichte gebärden.

Auf der anderen Seite stehen die Atheisten, die im Grunde dasselbe tun: das geschriebene Wort der Bibel als bare Münze zu nehmen, um dann über den Realitätsverlust der Christenheit abzulästern.

Wenn allgemeiner Spott auf Christen fällt, so kann ich dies rational nachvollziehen.
Wenn aber der Hohn auf die christliche Mythensammlung fällt, so kann ich nur den Kopf schütteln.
Es ist völlig normal, wenn in einem Mythos Gegebenheiten erzählt werden, die über die übliche Alltagserfahrung hinaus gehen, denn dies ist ja wesentlich für die Textgattung „Mythos“.
Darauf sollte sich der Leser auch einlassen oder gleich den Text beiseite legen.
In einem Kinderbuch kommen schließlich auch entgegen der Alltagserfahrung sprechende Tiere vor und Millionen von Eltern lesen ihren Kindern daraus vor.
Kein Mensch zweifelt dann an diesem „Wunder“, weil dieses innerhalb der Textgattung Märchen wiederum „normal“ und „legal“ ist.
Das „Wunder“ ist gattungstypisch und es wäre sogar äußerst befremdlich, wenn keine Tiere sprechen könnten.

Was will ich damit sagen?
Dass sowohl fundamentalistische Christen als auch lästernde, meist auch streitsüchtige Atheisten unter literaturwissenschaftlichem und somit rationalem Gesichtspunkt eine äußerst fragwürdige Menschengruppierung darstellen, da sie den Kern einer Textaussage in ihrem eigentlichen Wesen verkennen.

Insofern bin ich ein großer Bewunderer des (kirchlich unbearbeiteten) Thomas-Evangeliums, in dem Jesus nicht unbedingt als der leibhaftige Sohn Gottes dargestellt wird. Auch Wundertaten, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt sucht der traditionelle Christ darin umsonst!!!
Jesus tritt als Philosoph auf, in dem sogar der Atheist Friedrich Nitzsche sicherlich einen Lehrmeister gefunden hätte.
Denn die Parallelen von Nitzsches „Übermenschen“ (aus: „Also sprach Zarathrustra“) und dem Jesus des Thomas-Evangeliums weisen für mich doch sehr viele Gemeinsamkeiten auf:
Die Kraft zur Veränderung liegt in jedem selbst und bedarf keiner (kirchlichen) Institution.

Nur zum Gelingen, zur Überwindung der egoistischen Natur, der allen Lebewesen innewohnt (biblisches Bild: „Teufel“ als kunstvoll gewählte Metapher der Ich-Befriedigung), bedarf es eines höheren Willens/Einsicht/Aufklärung, der häufig entgegen gesellschaftlicher Konventionen läuft.

Nenne es Gott oder Evolution des menschlichen Geistes!
In diesem Sinne an unsere Kirchenväter: Gott (=Evolution) in seiner Vielfältigkeit auf zählbare Seiten zwischen zwei Buchdeckeln zu pressen (Bibel), erscheint mir manchmal schon als Gotteslästerung selbst.