Lyrik ~ Klinge
    Versuch einer Dichtung            

29 
 Juli 
 
2017


 


Die Zauberflöte
Bei Männern, welche Liebe fühlen…

PAMINA
Bei Männern, welche Liebe fühlen,
Fehlt auch ein gutes Herze nicht.

PAPAGENO
Die süssen Triebe mitzufühlen,
Ist dann der Weiber erste Pflicht.

PAMINA, PAPAGENO
Wir wollen uns der Liebe freun,
Wir leben durch die Lieb’ allein.

PAMINA
Die Lieb’ versüsset jede Plage,
Ihr opfert jede Kreatur.

PAPAGENO
Sie würzet unsre Lebenstage,
Sie wirkt im Kreise der Natur.

PAMINA, PAPAGENO
Ihr hoher Zweck zeigt deutlich an,
Nichts Edlers sei, als Weib und Mann.
Mann und Weib, und Weib und Mann,
Reichen an die Gottheit an.

Die “Pflicht des Mitfühlens” sollte über beiden Geschlechtern ausgesprochen werden, damit das Duett “Beziehung” sich im harmonischen Zweiklang erfindet…

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16 
 Januar 
 
2016

abgelegt in
09 → Romantik | Novalis

 

DICHTUNG Novalis
LESUNG Will Quadflieg
BEREITSTELLUNG LYRIK & MUSIK


 

Bergmannslied

Der ist der Herr der Erde,
wer ihre Tiefe mißt
und jeglicher Beschwerde
in ihrem Schoß vergißt.

Wer ihrer Felsenglieder
geheimen Bau versteht
und unverdrossen nieder
zu ihrer Werkstatt geht.

Er ist mit ihr verbündet
und inniglich vertraut
und wird von ihr entzündet,
als wär’ sie seine Braut.

Er sieht ihr alle Tage
mit neuer Liebe zu
und scheut nicht Fleiß noch Plage;
sie läßt ihm keine Ruh’.

Die mächtigen Geschichten
der längstverfloss’nen Zeit
ist sie ihm zu berichten
mit Freundlichkeit bereit.

Der Vorwelt heil’ge Lüfte
umwehn sein Angesicht,
und in die Nacht der Klüfte
strahlt ihm ein ew’ges Licht.

Er trifft auf allen Wegen
ein wohlbekanntes Land,
und gern kommt sie entgegen
den Werken seiner Hand.

Ihm folgen die Gewässer
hilfreich den Berg hinauf,
und alle Felsenschlösser
tun ihre Schätze’ ihm auf.

Er führt des Goldes Ströme
in seines Königs Haus
und schmückt die Diademe
mit edlen Steinen aus.

Zwar reicht er treu dem König
den glückbegabten Arm,
doch frägt er nach ihm wenig
und bleibt mit Freuden arm.

Sie mögen sich erwürgen
am Fluß um Gut und Geld;
er bleibt auf den Gebirgen
der frohe Herr der Welt.

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29 
 September 
 
2012


 

 
Aus: “Wilhelm Meister”
von Johann Wolfgang von Goethe

 
Singet nicht in Trauertönen
Von der Einsamkeit der Nacht.
Nein, sie ist, o holde Schönen,
Zur Geselligkeit gemacht.

Wie das Weib dem Mann gegeben
Als die schönste Hälfte war,
Ist die Nacht das halbe Leben
Und die schönste Hälfte zwar.

Könnt ihr euch des Tages freuen,
Der nur Freuden unterbricht?
Er ist gut, sich zu zerstreuen;
Zu was anderm taugt er nicht.

Aber wenn in nächt’ger Stunde
Süsser Lampe Dämmrung fließt,
Und vom Mund zum nahen Munde
Scherz und Liebe sich ergießt;

Wenn der rasche, lose Knabe,
Der sonst wild und feurig eilt,
Oft bei einer kleinen Gabe
Unter leichten Spielen weilt;

Wenn die Nachtigall Verliebten
Liebevoll ein Liedchen singt,
Das Gefangnen und Betrübten
Nur wie Ach und Wehe klingt;

Mit wie leichtem Herzensregen
Horchet ihr der Glocke nicht,
Die mit zwölf bedächtgen Schlägen
Ruh und Sicherheit verspricht.

Darum an dem langen Tage,
Merke dir es, liebe Brust;
Jeder Tag hat seine Plage,
Und die Nacht hat ihre Lust.

 

Dichtung Johann Wolfgang von Goethe
Lesung Eva Mattes
Bereitstellung 59Berger

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