| 11 März 2025 | |
Über dem Weltrund gespannt ist der Bogen des Himmelsgewölbes.
Unstet auf Erden der Lauf, ewig gesetzt dort Gestirn.
| 22 März 2018 | |
Mnemosynes Geleit
Streifzüge eines Gedankenvagabunden

Aus den Aufzeichnungen
eines göttlich Wahnsinnigen
Vorwelt
| Morpheus‘ Schoß Elysions Friedensgrund |
| Eherne Welt Demeters Dunkelpfade |
| Hephaistos‘ Kunstschmiede Artefakte göttlicher Macht |
| Caissas Liebesgeschenke Ares‘ Eroberungskünste |
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| Skulpturen des Adamas Naturen des menschlichen Geistes |
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| Die Elemente Das Alphabet des Geistes |
| Das Positionsspiel Sprachen des Geistes |
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Fußnoten
| 22 Juli 2012 | |
| DICHTUNG | Ingeborg Bachmann | |
| LESUNG | Ingeborg Bachmann | |
| BEREITSTELLUNG | wortlover |
Vom Lande steigt Rauch auf.
Die kleine Fischerhütte behalt‘ im Auge,
denn die Sonne wird sinken,
eh du zehn Meilen zurückgelegt hast.
Das dunkle Wasser, tausendäugig,
durchblutet Poseidons Reich
und schlägt die Wimper von weißer Gischt auf
dich anzusehn, groß und lang,
dreißig Tage lang.
Auch wenn das Schiff hart stampft
und einen unsicheren Schritt tut,
steh‘ ruhig auf Deck.
An den Tischen essen sie jetzt den geräucherten Fisch.
Vorne werden die Männer hinknien
und die Netze flicken.
Aber nachts wird geschlafen,
eine Stunde oder zwei Stunden
und ihre Hände werden weich sein.
Fahl von Salz und Öl,
weich wie das Brot des Traumes,
von dem sie brechen.
Die erste Welle der Nacht schlägt ans Ufer,
die zweite erreicht schon dich.
Aber wenn du scharf hinüber schaust,
kannst du den Baum noch sehn,
der trotzig den Arm hebt.
Einen hat ihn der Wind schon abgeschlagen.
Und du denkst, wie lange noch?
Wie lange noch wird das krumme Holz den Wettern standhalten?
Vom Lande ist nichts mehr zu sehn.
Du hättest dich mit einer Hand in die Sandbank krallen
oder mit einer Locke an die Klippen heften sollen.
In die Muscheln blasend
begleiten die Ungeheuer des Meers
Nereus‘ Töchter über die Wellen.
Sie reiten und schlagen
mit blanken Säbeln die Tage in Stücke.
Eine rote Spur bleibt im Wasser.
Dort legt dich der Schlaf hin,
zwischen Proteus und Glaukos.
Die Najaden treffen mit kaltem Stahl deine Brust.
Und dir schwinden die Sinne.
Da ist etwas mit den Tauen geschehen.
Man ruft dich und du bist froh,
dass man dich braucht.
Das Beste ist die Arbeit auf den Schiffen,
die weithin fahren:
Das Tauknüpfen, das Wasserschöpfen, das Bände dichten
und das Hüten der Fracht.
Das Beste ist müde zu sein
und am Abend hinzufallen.
Das Beste ist am Morgen
mit dem ersten Licht hell zu werden,
gegen den unverrückbaren Himmel zu stehen,
der ungangbaren Wasser nicht zu achten
und das Schiff über die Wellen zu heben
auf das immer wiederkehrende Sonnenufer zu.
| 13 August 2011 | |
Eurydike, anmutige Baumnymphe und Zartspross edlern Triebs, entfloh des Aristaios’ jäh entflammter Begierde und ward in aufgebrachter Unacht von nied’rer Schlangenbrut gebissen. Eurydike erlag dem gieren Raffzahn und fuhr hinab ins Totenreich.
Orpheus, Sohn der Muse Kalliope und wehklagender Gatte Eurydikes, folgte der Spur der Entschwund’nen zum Ort des ewigen Dunkels, ersonn mit Saitenspiel und Beigesang die Gunst des Schattenfürsten zu erringen und erhob die Klage, mit der Seele mattem Flügelschlage.
Jener ward betört von Orpheus erhabener Kunst und gewährte den Liebenden freies Geleit.
Orpheus voran, Eurydike im treuen Gefolge, gelobte der Sänger dem Hades nicht der Liebsten Antlitz zu schau’n auf dem Rückweg aus dem Reiche der Schatten.
Die Teure indes gewahrte den geifernden Kerberos, hündischer Hüter der Schwelle zum Orkus. Es bangte ihr Busen und fasste des Liebenden Hand. Schauernd wandte sich Orpheus zum zitternden Weibe … und brach sein Versprechen.
Somit wurde Eurydike Orpheus, dem Untröstlichen, gänzlich entrissen, des Orkus’ Pforten auf ewig verschlossen.
Des Todes Schatten bleierne Kuss lag schmachtend auf zarter Seele welkem Geblüte und schlug den Musensohn in Banden.
| 22 Mai 2011 | |

Thematische Einordnung in das Schachspiel:
Die Bedeutung der Linien
Der schaffende Geist als Triumphator
Damals im Anbeginn der jungen Erdenzeit,
als fahler Sternenglanz des Himmelsgewölbes
noch mit matter Wange in die ew’gen Wasser des Weltmeers hinabblickte,
bedrang ein dichter Nebel
des gold’nen Sonnenballes hehren und immerdar währenden Glanzes.
Alles verharrte in dämmriger Finsternis,
denn düster verhangen waret das Ätherreich
und die grauen Schatten rühmten der dunklen Herrscherkron‘ sich.
Doch auf silberner Woge des Weltmeers
erkühnte der Weltgeist sich zum hühnenhaften Meistertanz.
Mit mächtig schlagender Götterschwinge vermochte allein er zu ringen
mit wütendem, aufbegehrenden Wogenspiel.
Sein waltender Flügelschlag lag peitschend über schäumender Gicht
und ließ mit aufgepeitscher Windesstärke
die Wassermassen zu hohem Walle türmend schwellen.
Und aus dem gähnenden Rachenschlund
der schwarzen, gebärenden Meerestiefe 
erhob sich brausend geweckt, rüstern zum Streite gebirgisch gereckt
der Landesfeste trock’ner Erdengrund. 
Gleisende Blitze enteilten, verweilten hinforten nimmermehr.
Der Wolkengase erstickender Schleier entschwand alsbald durch Windesmacht
und lichtete jäh den Blick zum Sternenheer.
Die Finsternis entfloh, triumphentmachtet, und ICH gebar das Licht,
dem Schattenreiche ungemach, schied so des Nachtes graue Schleiermacht
von des Tages blendender Lichterpracht,
dessen goldener Strom
des ersten Morgens gleisender Sonnenbahn nun taufte.
Im Taumel süßen Lebenswahns
funkelte lichter Au’n
kristallner Morgenreif,
Ragend wölbte sich der Gebirge Rücken
,
tragend als wuchtige Säulen der himmlischen Wolkenbauten,
der heim’schen Stätte mir.
Meiner Schöpferhände schaffendes Regen
senkte mit mütterlich waltendem Streben
und wuchsbedachtem Göttersegen der Wälder Bäume
in den fruchtbaren Schoß der empfangenden Erde. 
Zum keimenden Lebensbund grub ich der Bäche
verschlungene Pfade,
vom felsrinnenden Quell bis hin zum weitentlegenen Ozeane.
Mit Allmacht sprechendem Herrschermund gebot ich,
dass die Wasser sich füllen mögen mit allerlei tierischem Gewimmel,
auch die verwaiste Landesfeste hervorbringe allerlei Getier,
ein jedes nach seiner Art, und der Vögel süße Sängerschar
mit Hymnengesang umkränzen sollen, den weißen Wolkenflausch
,
als gefiederte Wächter meiner Himmelspforte.
“Und da mein Werk der reichen Schöpfertat micht freudig stimmt“,
wähnt ich im Busen insgeheim, im Anblick dieses wunderlichen Scheins,
“sei zum Zeichen ewig währenden Friedensbundes
über der reichen Gebirge gähnenden Schlundes
des Regenbogen farbenschillernder Steg
gekrümmt.
| Linie | Landschaft | Attribute |
| A‘ | — | — |
| A | Atlantik | Wellenspitzen |
| B | Brache | Ufersaum der Küstenregion |
| C | Chloris‘ Wiesenlandschaft | gebogene Grashalme |
| D | Dolomiten | Bergkuppeln |
| E | Erde | Gefurchte Kulturland |
| F | Flüsse | Schwimmboje/Segel |
| G | Gewölk | Federstuhl |
| H | Himmel | Himmelsleiter |
| H‘ | — | — |
| 17 Februar 2007 | |
Mnemosyne gilt als die Göttin des Gedächtnisses.
Daher möchte ich in dieser Niederschrift das Hauptaugenmerk auf unterschiedliche Merksysteme richten und mit einem Gedankenschweif durch die Jahrhunderte die prägnantesten Elemente aufhellen.


























